Dave Eggers lässt in seinem neuen Roman Contrapposto zwei Figuren über Jahrzehnte und durch die Kunstwelt streifen: Cricket und Olympia. Der mehr als 500 Seiten starke Text verbindet eine Beziehungsgeschichte mit kunsthistorischen und gesellschaftlichen Anspielungen und setzt dabei auf eine Mischung aus Humor, Witz und erzählerischem Tempo.
Der Titel verweist auf einen Begriff aus der Kunst: die klassische Körperhaltung mit Stand- und Spielbein, die seit der Antike als Prinzip von Bewegung und Ausgewogenheit gilt. Eggers nutzt dieses Bild für seine beiden Protagonisten, die einander ähneln und zugleich gegensätzlich sind. Im Zentrum steht das wechselvolle Miteinander von Nähe und Distanz, von Abhängigkeit und Eigenständigkeit.
Eggers, der mit Romanen ebenso wie mit journalistisch grundierten Büchern bekannt wurde, bleibt damit seiner Doppelrolle als Literatur- und Gegenwartsbeobachter treu. Seine Bücher kreisen häufig um Fragen von Moral, Öffentlichkeit und sozialem Verhalten; auch in Contrapposto verbindet er das Private mit einem weiteren kulturellen Rahmen.
Die Geschichte folgt Cricket und Olympia nicht nur durch ihr eigenes Leben, sondern auch durch verschiedene Phasen der Kunstwelt. Dadurch entsteht ein Roman, der weniger auf eine lineare Handlung als auf Entwicklung, Milieu und Wandel setzt. Gerade diese Kombination aus Figurenstudie und kulturellem Panorama macht den Text zu einem typischen Eggers-Projekt: ambitioniert, verspielt und mit einem klaren Blick für die Absurditäten des Betriebs.
Im Zentrum steht dabei nicht nur die Frage, was die Figuren voneinander trennt, sondern auch, was sie zusammenhält. Dass Eggers diesen Stoff auf breite Anlage und mit literarischem Durchhaltevermögen erzählt, passt zu seinem Ruf als Autor großer, oft thematisch weit gespannter Bücher. Contrapposto reiht sich damit in ein Werk ein, das sich ebenso für persönliche Beziehungen wie für die Mechanik der modernen Kultur interessiert.









