Florentina Holzinger hat ihre neue Arbeit „Bodensee Étude“ in Bregenz gezeigt und damit ihre für körperliche Grenzerfahrungen bekannte Bühnenpraxis an den See verlegt. Im Zentrum der Performance stand eine Schwesternschaft aus weiblich codierten Wasserwesen, die aus der Tiefe nach oben geholt wurden und die Inszenierung prägten.
Die Produktion setzte auf das, was Holzingers Arbeiten seit Jahren auszeichnet: riskante Bilder, präzise choreografierte Körper und eine Mischung aus Spektakel, Humor und Zumutung. In Bregenz waren die Performerinnen an einer kreisförmigen Vorrichtung hängend und wurden von einem Kran aus der Tiefe gezogen. Die Szene verwies auf Unterwasserwelten, auf Mythen und auf die Verletzlichkeit des menschlichen Körpers ebenso wie auf dessen Belastbarkeit.
Bemerkenswert war auch der Rahmen des Abends: Der Zugang zur Aufführung war kostenlos. Damit wurde die Arbeit einem breiteren Publikum geöffnet, das sich im Freien mit einer Produktion konfrontiert sah, die nicht auf gemütliche Rezeption angelegt ist. Schon das Zuschauen verlangte an diesem Sommertag Aufmerksamkeit, auch wenn die eigentliche Herausforderung wohl vor allem darin bestand, der Hitze standzuhalten.
Holzinger, die spätestens seit ihren Festivalerfolgen international zu den markantesten Stimmen der performativen Gegenwartskunst zählt, bleibt mit solchen Arbeiten ihrer Linie treu. Sie verschiebt die Grenzen zwischen Tanz, Theater und Performancekunst und macht den Körper selbst zum Material der Inszenierung. In Bregenz kamen dabei Motive von Wasser, Schwere und Absturz ebenso zusammen wie Bilder von Selbstermächtigung und Gruppenkraft.
Die „Bodensee Étude“ knüpfte damit an eine künstlerische Handschrift an, die auf Reibung setzt und sich demonstrativ jeder glatten Lesart entzieht. Gerade in einem sommerlichen öffentlichen Rahmen gewann dieser Zugriff zusätzliche Spannung: Statt Kulisse für leicht konsumierbare Kultur wurde der Bodensee zum Ort einer physisch fordernden, bewusst sperrigen Performance.









