Fressnapf testet einen neuen Filialtyp für die Innenstädte: Der Tierbedarfshändler will mit kleineren Geschäften stärker dorthin rücken, wo bisher vor allem Bekleidung, Drogerien oder Gastronomie dominieren. Ziel ist es, mehr Laufkundschaft zu erreichen und sich näher an urbanen Kunden zu platzieren, die für den klassischen Großflächenhandel oft schwerer zu gewinnen sind.
Der Vorstoß kommt in einer Phase, in der viele Innenstädte mit Leerständen und sinkender Frequenz kämpfen. Für Handelsketten eröffnen sich dadurch einerseits günstigere Flächen und neue Standorte, andererseits steigt der Druck, mit kompakteren Formaten wirtschaftlich zu bleiben. Fressnapf reagiert damit auf verändertes Einkaufsverhalten: Tierhalter kaufen Futter, Zubehör und Pflegeprodukte zwar weiterhin regelmäßig, wollen dafür aber zunehmend erreichbare, leicht zugängliche Standorte.
Der Schritt ist auch ein Signal an den stationären Handel insgesamt. Während viele Ketten zuletzt eher Flächen reduziert oder Standorte zusammengelegt haben, versucht Fressnapf, die Nähe zum Kunden selbst zum Geschäftsmodell zu machen. Gerade in innenstädtischen Lagen kann ein kleineres Format helfen, die Fixkosten gegenüber großen Randlagen zu senken und zugleich neue Zielgruppen anzusprechen.
Für die Branche ist der Test bemerkenswert, weil Tierbedarf im klassischen Stadtzentrum bislang kaum eine Rolle gespielt hat. Große Fachmärkte liegen meist am Stadtrand oder in Einkaufszentren, wo Parkplätze und Lagerflächen leichter verfügbar sind. Ein Innenstadtformat verlangt deshalb eine andere Warenpräsentation, ein engeres Sortiment und eine präzisere Steuerung der Bestände.
Ob sich das Modell flächendeckend durchsetzt, dürfte vor allem von der Wirtschaftlichkeit der ersten Standorte abhängen. Entscheidend wird sein, ob Fressnapf mit den kleineren Läden genug Umsatz pro Quadratmeter erzielt und ob die Kunden die Nähe tatsächlich annehmen. Für Innenstädte, die nach neuen Mietern suchen, könnte der Tierbedarfshändler jedenfalls zu einem ungewöhnlichen, aber passenden Kandidaten werden.









