Beim zweiten Lesetag des Bachmann-Preises in Klagenfurt standen am Freitag mehrere Kandidatinnen und Kandidaten im Mittelpunkt, die mit sehr unterschiedlichen Texten um die Aufmerksamkeit der Jury warben. Bereits zu Beginn sorgte eine formale Frage rund um die am Vortag gelesene Autorin Slata Roschal für kurze Aufregung, ehe die Lesungen und die anschließenden Diskussionen den Ton setzten.
Nach Angaben aus dem Wettbewerb warfen einzelne Passagen aus Roschals Text den Verdacht auf, bereits vor der Lesung auf der Website ihres Verlags abrufbar gewesen zu sein. Das würde gegen die Regeln des Preises verstoßen. Der Notar des Bewerbs prüfte den Vorwurf, konnte ihn jedoch nicht verifizieren. Roschal bleibt damit im Rennen, spielt in der Entscheidung um die Preise aber keine weitere Rolle mehr.
Inhaltlich kreisten die Beiträge des Tages um vertraute wie sperrige Bachmann-Themen: Familie, Begehren, Körperlichkeit und soziale Spannungen. Der Ton reichte von literarisch ambitionierten Beobachtungen bis zu Texten, die bewusst auf Reibung setzten. Für die Jury bot das reichlich Stoff für jene teils launigen, teils präzisen Debatten, die den Wettbewerb seit Jahren prägen.
Besonders deutlich wurde das in der Diskussion über Magdalena Schrefel, die von Jurymitgliedern nicht nur auf ihre Sprache, sondern auch auf den erzählerischen Zugriff hin befragt wurde. Solche Gespräche sind beim Bachmann-Preis Teil des Formats: Die Lesung endet nicht mit dem letzten Satz, sondern erst mit der öffentlichen Kritik und Einordnung durch die Jury. Genau darin liegt für viele der Reiz des Wettbewerbs.
Der Freitag brachte damit mehrere Beiträge von Preisanwärtern und eine Jury, die sich hörbar bemüht war, zwischen literarischem Risiko, handwerklicher Qualität und inhaltlicher Schärfe zu unterscheiden. Für die Autorinnen und Autoren bleibt der Wettbewerb bis zur Entscheidung in Klagenfurt offen, für das Publikum vor Ort und vor den Bildschirmen ist der zweite Lesetag vor allem eines: ein Überblick darüber, welche Texte bei der Jury wirklich haften bleiben.









