Die Innviertler Modekette Fussl zieht gegen den chinesischen Onlinehändler Temu vor Gericht und verbindet damit die Hoffnung, sich gegen aus ihrer Sicht unfaire Marktbedingungen zu wehren. Firmenchef Ernst Mayr verlangt nach eigenen Angaben vor allem mehr Schutz für heimische Händler, die mit Plattformen konkurrieren müssen, deren Waren teils direkt aus Asien an Konsumentinnen und Konsumenten geliefert werden.
Temu ist in Europa in kurzer Zeit zu einem der auffälligsten Player im Onlinehandel geworden. Die Plattform arbeitet mit einem Modell, das oft auf sehr günstigen Preisen, Direktversand und massiver App-Präsenz basiert. Für klassische Handelsunternehmen wie Fussl verschärft das den Druck im Wettbewerb, weil Preis, Reichweite und Geschwindigkeit kaum mit stationären Strukturen vergleichbar sind.
Dass Fussl selbst auch in Asien produzieren lässt, hält Mayr für keinen Widerspruch. Entscheidend sei für das Unternehmen nicht der Produktionsort allein, sondern unter welchen Regeln gehandelt werde. Der Vorstoß gegen Temu zielt damit weniger auf globale Lieferketten als auf die Frage, ob alle Marktteilnehmer denselben rechtlichen und steuerlichen Vorgaben unterliegen.
Konflikt um Regeln im Onlinehandel
Der Fall reiht sich in eine breitere Debatte über Plattformen aus China ein, die in der EU häufig wegen Preisgestaltung, Produktkontrolle und der Behandlung von Händlern kritisiert werden. Mehrere europäische Handelsverbände und Unternehmen werfen solchen Anbietern seit längerem vor, Wettbewerbsvorteile aus unterschiedlichen Standards und aus der Distanz zum europäischen Binnenmarkt zu ziehen.
Für Fussl geht es damit auch um ein Signal über den Einzelfall hinaus: Wenn sich ein mittelständischer Händler gegen Temu durchsetzt, könnte das den Druck auf Politik und Aufsicht erhöhen, die Spielregeln im Onlinehandel strenger zu kontrollieren. Für die österreichische Handelsbranche wäre das ein Thema mit unmittelbarer wirtschaftlicher Relevanz, weil der Kostendruck im stationären Geschäft seit Jahren hoch ist.
Wie weit Fussl mit seiner Klage kommt, bleibt offen. Klar ist aber schon jetzt: Der Konflikt mit Temu ist für das Unternehmen nicht nur eine juristische Auseinandersetzung, sondern auch ein Versuch, die Bedingungen im digitalen Handel neu zu definieren.









