Craig Gillespies Comic-Verfilmung Supergirl setzt auf einen Ton zwischen Spott und Pathos, bleibt mit ihrem Ansatz aber deutlich im vertrauten Superheldenrahmen. Im Zentrum steht Supermans Cousine Kara Zor-El, gespielt von Milly Alcock, die das Heldinnendasein nicht einfach annimmt, sondern ihm zunächst skeptisch begegnet.
Die Figur passt damit zu einem Trend, der das Genre seit einigen Jahren prägt: Immer öfter werden Superheldenfilme selbstironisch angelegt, um die lange Reihe glatt polierter Retterfiguren zu unterlaufen. Produktionen wie Deadpool oder die Serie The Boys haben vorgemacht, wie sich Comic-Helden über ihre eigene Überhöhung lustig machen lassen. Gillespies Film versucht, diesen Zugriff mit einer feministischen Perspektive zu verbinden.
Gerade darin liegt die Spannung von Supergirl: Die Titelheldin bewegt sich in einer Welt, die von patriarchalen Vorstellungen von Stärke und Heldentum geprägt ist, und weigert sich zugleich, in die gewohnte Rolle der bedingungslos selbstlosen Beschützerin zu schlüpfen. Die Figur soll stärker und widersprüchlicher wirken als klassische Superheldinnen, zugleich aber nicht völlig aus dem Genre ausbrechen.
Gillespie, der bereits mit Filmen wie I, Tonya für seine Mischung aus Ironie und Empathie bekannt wurde, überträgt diesen Zugriff nun auf das Superheldenfach. Die Inszenierung spielt mit der Erwartung, dass große Comic-Produktionen heute mehr können müssen als bloße Effektshow. Sie sollen sich ihrer eigenen Mechanismen bewusst sein, ohne den Unterhaltungscharakter zu verlieren.
Genau dort gerät Supergirl in ein Spannungsfeld. Der Film will sich von den altbekannten Genremustern lösen, bleibt aber nach dem Eindruck der vorliegenden Kritik zu sehr an ihnen hängen. So entsteht ein Werk, das seine Ambitionen klar erkennen lässt, die eigene Botschaft aber nicht vollständig durchzieht.
Damit steht Supergirl exemplarisch für den aktuellen Zustand des Superheldenkinos: Zwischen Erschöpfung über immer neue Retterfiguren und dem Versuch, diese Figuren neu zu erzählen, sucht das Genre nach einem frischen Zugang. Dass ausgerechnet Supermans Cousine nun als skeptische, widerspenstige Heldin auftritt, passt in diese Suche – und zeigt zugleich, wie schwer es ist, das Superheldenschema tatsächlich zu überwinden.









