Der neue Band der Adolf-Holl-Werkausgabe rückt eine der zugespitztesten religiösen Ideen des Wiener Theologen ins Zentrum: den „lachenden Christus“. Holl setzte dem martialischen Christentum, das Kreuz und Erlösung als Siegeszeichen liest, das Bild eines listig lächelnden Heilands entgegen.
Ausgangspunkt ist ein Motiv, das in der frühen christlichen Literatur tatsächlich auftaucht: In der „Apokalypse des Petrus“ erscheint Christus demnach nicht nur als leidender Gekreuzigter, sondern auch als Figur, die das Geschehen mit Distanz und Lachen betrachtet. Holl griff diesen Gedanken auf und machte daraus eine theologische wie kulturkritische Spitze gegen jene, die ihren Glauben kämpferisch, nationalistisch oder triumphal aufladen.
Gegen das martialische Christentum
Die Debatte um religiöse Selbstinszenierung ist dabei keineswegs nur historisch. Der Text verweist auf aktuelle Formen eines christlichen Nationalismus, wie er etwa in den USA politisch sichtbar geworden ist. Wenn dort vom erlösenden Kreuzestod und von einer göttlich begünstigten Nation die Rede ist, steht das für jene Deutung des Christentums, gegen die Holl anschärfte: Glaube nicht als Machtgestus, sondern als Störung der Machtlogik.
Gerade deshalb wirkt das Bild des lachenden Christus bis heute irritierend. Es unterläuft die Vorstellung vom Christentum als harter Identitätsmarke und verweigert sich jeder Vereinnahmung durch fundamentalistische oder chauvinistische Lesarten. In Holls Zugriff steckt damit nicht nur Theologie, sondern auch Polemik gegen jene, die Religion zur politischen Selbstvergewisserung machen.
Eine Figur der Widersetzung
Holl, der als katholischer Priester, Publizist und streitbarer Intellektueller bekannt wurde, verstand Religion nie als glattgebügelte Lehre. Seine Texte verbanden historische Gelehrsamkeit mit Zuspitzung und Ironie. Der „lachende Christus“ ist dafür ein besonders prägnantes Beispiel: ein Gegenbild zum drohenden, männlich aufgeladenen Heilsversprechen, das in manchen religiösen Milieus gepflegt wird.
Der Band der Werkausgabe holt diesen Gedanken nun erneut in die Gegenwart. Er zeigt, wie stark Holls Zugriff auf Glaubensfragen bis heute provoziert – gerade weil er das Heilige nicht schont, sondern es gegen seine politischen Verhärtungen wendet.









