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Ingeborg Bachmann und die Hoffnung auf Zukunft

Redaktionelle Szene zum Thema „Ingeborg Bachmann und die Hoffnung auf Zukunft“

Ingeborg Bachmann hat den Abstand zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte, wie kaum eine andere deutschsprachige Schriftstellerin ausgelotet. Zu ihrem 100. Geburtstag am 25. Juni rückt ihr Werk erneut als literarische Vermessung von Angst, Schmerz und Zukunftsdenken in den Blick. Der Schriftsteller Leon Engler setzt dabei nicht auf das vertraute düstere Bachmann-Bild, sondern auf das, was er als utopisches Bewusstsein in ihrem Schreiben beschreibt.

Ausgangspunkt ist eine Beobachtung, die weit über eine literarische Jubelgeste hinausreicht: Hoffnung, so Englers Zugriff, ist bei Bachmann kein sentimentaler Zusatz, sondern Teil einer Denkbewegung. Der Mensch könne erinnern und Zukunftsszenarien entwerfen, heißt es sinngemäß in diesem Zusammenhang, und genau darin liege ein zentraler Antrieb ihres Schreibens. Bachmanns Literatur erscheint damit als Suche nach einem anderen Zustand, nicht als bloße Diagnose des Scheiterns.

Gerade das macht die erneute Lektüre ihrer Texte interessant. Bachmanns Werk kreist zwar um Gewalt, zerstörte Beziehungen und die Brüche der Nachkriegszeit, doch zugleich lässt es immer wieder Räume für Gegenentwürfe aufscheinen. Dass diese Hoffnung nicht naiv, sondern fragil und hart erarbeitet ist, gehört zu ihrer literarischen Eigenart. Bachmann beschrieb keine fertigen Lösungen, sondern hielt die Spannung zwischen Realität und Möglichkeit aus.

Englers Zugriff passt damit auch in eine Gegenwart, in der Bachmanns Texte erneut auf ihre Aktualität geprüft werden. Die Frage, wie Literatur Verlust und Zukunft gleichzeitig denken kann, ist bei ihr nicht historisch erledigt. Wer Bachmann liest, stößt auf eine Autorin, die das Unbehagen an der Wirklichkeit nicht verdrängt, sondern in Sprache verwandelt – und gerade darin einen Rest von Möglichkeit offenhält.

Dass dieser Gedanke mit dem Bild des präfrontalen Cortex verknüpft wird, unterstreicht den Zugang zusätzlich: Hoffnung ist hier keine reine Gefühlsfrage, sondern auch eine Leistung des Denkens. Bei Bachmann wird daraus eine Poetik des Suchens. Sie macht sichtbar, wie stark Literatur daran beteiligt sein kann, alternative Zustände überhaupt vorstellbar zu machen.

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