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Bachmanns „Malina“ als heilende Lektüre neu gelesen

Redaktionelle Szene zum Thema „Bachmanns „Malina“ als heilende Lektüre neu gelesen“

Der Roman „Malina“ von Ingeborg Bachmann bleibt Gegenstand neuer Lektüren: Elfriede Jelinek Streeruwitz spricht über das Buch als einen Text über Nachkriegszeit, Vatermotiv und patriarchale Zurichtungen – und nennt die Lektüre ausdrücklich heilend, nicht tröstlich.

Ausgangspunkt ist dabei die Frage, wie ein Mädchen, eine Tochter und eine junge Frau in einem von Gewalt und Schweigen geprägten Umfeld aufwächst. In der in dem Zusammenhang herangezogenen Passage erzählt Bachmann von einer Familie, in der Schwangerschaften, Abtreibung und Schuld nicht offen verhandelt, sondern nur bruchstückhaft weitergegeben werden. Gerade diese Erzählweise macht den Roman bis heute zu einem Schlüsseltext über weibliche Erfahrung im 20. Jahrhundert.

Ein Roman über Kriegserbe und familiäre Gewalt

„Malina“ erschien 1971 und gilt als einer der zentralen Prosatexte Bachmanns. Im Mittelpunkt steht eine namenlose Erzählerin, deren Innenleben sich zwischen Erinnerung, Gegenwart und innerer Bedrohung aufreibt. Der Roman ist kein klassischer Familienroman, sondern eine literarische Untersuchung der Nachwirkungen von Krieg, Autorität und männlicher Macht in den privaten Beziehungen.

Streeruwitz hebt nun gerade diese Dimension hervor. Der Text zeige nicht nur persönliche Verletzungen, sondern auch gesellschaftliche Strukturen, die Frauen über Generationen prägen. Das Vatermotiv, die Rolle der Mutter und die Weitergabe von Wissen durch andere Frauen bilden dabei ein Geflecht, das weit über die einzelne Familiengeschichte hinausweist.

Warum der Roman wieder gelesen werden soll

Die erneute Empfehlung von „Malina“ passt in eine Zeit, in der Fragen nach weiblicher Selbstbestimmung, Gewalt und der Weitergabe von Erfahrung wieder stärker diskutiert werden. Bachmanns Roman arbeitet nicht mit Trost, sondern mit Zumutungen. Genau darin liegt seine anhaltende Wirkung: Er beschreibt ein Denken und Fühlen unter Bedingungen, in denen Sprache selbst unsicher wird.

Dass Streeruwitz den Text als heilend beschreibt, verweist auf eine Literatur, die nicht beruhigt, sondern Erkenntnis ermöglicht. „Malina“ bleibt damit nicht nur ein Werk der Bachmann-Lektüre, sondern auch ein Buch über die Möglichkeiten und Grenzen, das eigene Leben in einer beschädigten Welt zu erzählen.

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