Das Tiroler Landestheater in Innsbruck verlegt William Shakespeares „Der Sturm“ in die Gegenwart und verbindet das Drama mit Madonna-Zitaten und dem Titelzusatz „La Isla Bonita“. Die Inszenierung von Calixto María Schmutter spielt auf einer Insel, die als Luxusresort gelesen wird, und setzt damit auf eine deutliche Aktualisierung des Stoffes.
Shakespeares Stück zählt zu den meistgespielten und zugleich rätselhaftesten Werken des Dramatikers. Im Zentrum steht die Konfrontation zwischen einem Inselherrscher und jenen, die ihm einst das Königreich entzogen haben. Ein magischer Sturm bringt die Gegner auf die Insel und eröffnet die Handlung über Macht, Täuschung, Kontrolle und Versöhnung.
Die Innsbrucker Fassung verschiebt diese Konstellation in eine Gegenwart, in der Exklusivität und Dienstbarkeit den Ton angeben. Die Insel erscheint nicht mehr als mythischer Ort, sondern als abgeschottete Anlage mit gesellschaftlichen Hierarchien, in der die Figuren neu gelesen werden können. Gerade darin liegt der Reiz solcher Shakespeare-Bearbeitungen: bekannte Konflikte werden in ein heutiges Umfeld übersetzt, ohne den Kern der Vorlage aufzugeben.
Dass der Abend mit Madonna und dem Popsong „La Isla Bonita“ spielt, verweist zugleich auf eine bewusst populäre Zugriffsebene. Der Titel deutet an, dass das Stück nicht nur als klassisches Schauspiel, sondern auch als kulturelle Montage angelegt ist. Für das Publikum entsteht damit eine Mischung aus Shakespeare-Text, musikalischer Anspielung und zeitgenössischer Bildwelt.
Im Ensemble stehen unter anderem Patrick Ljuboja als Caliban und Tommy Fischnaller-Wachtler als verwöhnter Inselgast Ferdinand auf der Bühne. Die Besetzung unterstreicht, dass die Produktion die Figurenkonstellation des Originals klar beibehält, sie aber mit heutigen Kostümen, Räumen und sozialen Codes neu codiert.
Mit solchen Zugriffen reiht sich das Landestheater in eine lange Tradition moderner Shakespeare-Deutungen ein. Gerade „Der Sturm“ eignet sich dafür besonders: Das Stück lässt sich als Fantasie über Herrschaft, Kolonisierung, Familienkonflikte und Illusion lesen. Die Innsbrucker Produktion setzt dabei auf einen betont gegenwärtigen Blick und auf starke Kontraste zwischen Macht und Abhängigkeit.









