Im Magna-Steyr-Werk in Graz werden Elektroautos chinesischer Hersteller für den europäischen Markt montiert. Für die steirische Industrie bedeutet das zusätzliche Auslastung, zugleich zeigt der Auftrag, wie stark sich die Wertschöpfung in der europäischen Autoindustrie verschiebt: Nicht mehr nur in China entwickelte Modelle kommen nach Europa, sondern auch die Endmontage findet teils in Österreich statt.
Besonders sichtbar wird das am chinesischen Hersteller Xpeng. Dessen Modell G6 wird in Graz für Europa vorbereitet. Steirens Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) hatte nach einer China-Reise im April angekündigt, dass Xpeng einen Teil seiner Fahrzeuge bei Magna in Graz fertigen lasse. Er sprach damals von gesicherten Arbeitsplätzen in Graz und in der Steiermark.
Für Magna-Steyr ist die Entwicklung ein Zeichen dafür, dass der Standort weiter eine Rolle als Auftragsfertiger spielt. Das Werk in Graz ist seit Jahren darauf spezialisiert, Fahrzeuge für verschiedene Marken zu bauen, wenn Hersteller ihre Produktion nicht selbst in Europa aufziehen wollen. Gerade bei Elektroautos chinesischer Anbieter kann diese Struktur Vorteile bringen: Sie erleichtert den Markteintritt in Europa, spart Zeit beim Aufbau eigener Fabriken und verkürzt Transportwege für den Zielmarkt.
Für die europäische Autoindustrie ist das zugleich ein Signal für den schärfer werdenden Wettbewerb. Chinesische Hersteller drängen mit eigenen Elektroautos auf den Kontinent, während europäische Konzerne im Preis- und Technologiewettlauf unter Druck stehen. Dass Teile dieser Fahrzeuge nun in Österreich montiert werden, schafft Beschäftigung vor Ort, ändert aber nichts daran, dass die strategische Kontrolle über Marke, Technik und Vertrieb bei den chinesischen Unternehmen bleibt.
Ökonomisch ist der Grazer Auftrag deshalb zweischneidig: Er stärkt den Standort und sichert Industriearbeit in einer Phase schwächerer Nachfrage in Teilen der Autozulieferkette. Gleichzeitig verdeutlicht er, wie abhängig europäische Fertigungsstandorte von Aufträgen internationaler Hersteller geworden sind. Für Magna ist die Endmontage chinesischer E-Autos in Graz damit ein Geschäft – und ein weiterer Beleg dafür, wie global die Autoindustrie inzwischen organisiert ist.









