Peter Handke ist bei den Salzburger Festspielen für seinen Text „Schnee von gestern, Schnee von morgen“ gefeiert worden. Nach Jossi Wielers Uraufführungsinszenierung wurde der Nobelpreisträger für das Stück über das Verschwinden und das Erinnern im Haus am Makartplatz bejubelt. Handke, der im Publikum anwesend war, winkte dabei mit dem Gehstock.
Die Inszenierung setzt auf eine zurückhaltende, präzise Bildsprache. Im Zentrum steht ein Mann, der sich in Gedanken, Beobachtungen und Selbstbefragungen verliert. Die Figur wird von Jens Harzer gespielt, die inwendige Stimme von Marina Galic. Wieler übersetzt Handkes Text in eine Bühne, die bewusst spröde und offen wirkt, ohne die Sprache zu überlagern.
„Schnee von gestern, Schnee von morgen“ gehört zu Handkes jüngeren Arbeiten und kreist um das Entgleiten von Wahrnehmung und Gewissheit. Der Text lebt von Wiederholungen, Verschiebungen und der Frage, wie sich Wirklichkeit sprachlich überhaupt fassen lässt. Bei den Festspielen wurde diese Anlage nun erstmals szenisch gezeigt.
Handke, Jahrgang 1942, zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden deutschsprachigen Autoren. Der Literaturnobelpreisträger ist in Salzburg immer wieder präsent, sowohl als gefeierter Autor wie auch als streitbare Figur des Kulturbetriebs. Die Uraufführung seines neuen Stücks fügt sich in diese lange und enge Verbindung mit den Festspielen ein.
Die Reaktion des Publikums fiel der Premiere entsprechend wohlwollend aus. Im Zentrum des Abends stand dabei weniger dramatische Zuspitzung als die konzentrierte Wirkung von Handkes Sprache, die von Wielers Inszenierung klar gerahmt wurde. Der Abend endete mit großem Applaus für Autor und Ensemble.









