AfD-Chefin Alice Weidel hat die Partei auf dem Bundesparteitag in Erfurt als „neue Volkspartei in Deutschland“ bezeichnet und den Anspruch auf Regierungsverantwortung bekräftigt. Die Parteispitze inszenierte sich in Thüringen als Kraft, die nicht mehr nur Opposition sein will, sondern auf den Machtwechsel zielt.
Weidel warf den anderen Parteien vor, die AfD „mit Hass und Hetze“ auszugrenzen. Die Partei stellt sich damit erneut als Opfer politischer Ausgrenzung dar und versucht zugleich, ihren eigenen Anspruch auf breitere gesellschaftliche Verankerung zu unterstreichen. Der Begriff Volkspartei ist in Deutschland traditionell für die großen Parteien mit breiter Wählerbasis reserviert, vor allem für CDU/CSU und SPD.
Der Parteitag in Erfurt gilt für die AfD auch als Signal an die eigene Anhängerschaft: Nach Jahren des Aufstiegs in Umfragen und Wahlen will die Partei ihren Status als Protestkraft hinter sich lassen und sich als mögliche Regierungspartei präsentieren. Dass Weidel diesen Anspruch so offen formuliert, zeigt den Kurs der AfD-Spitze, die Partei stärker in Richtung Machtoption zu rücken.
Politisch bleibt die AfD zugleich hoch umstritten. Wegen ihrer Positionen, einzelner Funktionäre und der Beobachtung durch den Verfassungsschutz steht sie weiterhin unter besonderer öffentlicher und politischer Aufmerksamkeit. Der Vorstoß in Erfurt dürfte deshalb auch die Debatte darüber verschärfen, wie andere Parteien mit der AfD umgehen sollen.
Für die AfD ist die Selbstbeschreibung als „Volkspartei“ mehr als eine rhetorische Zuspitzung. Sie ist Teil eines Versuchs, sich als normalisierte Kraft im Parteiensystem zu verankern und den Eindruck zu erzeugen, die Partei sei längst nicht mehr nur Randphänomen, sondern dauerhaft im Zentrum der deutschen Politik angekommen.









