In der zentralserbischen Stadt Kraljevo haben am Sonntag mehrere Tausend Menschen gegen die Regierung von Präsident Aleksandar Vucic demonstriert. Die Kundgebung stand unter dem Motto „Die Studenten siegen!“ und fiel auf den Vidovdan, den in Serbien politisch und historisch aufgeladenen Veitstag.
Die Proteste in Kraljevo sind Teil einer seit Monaten anhaltenden landesweiten Bewegung, die sich nach dem Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024 formiert hat. Bei dem Unglück kamen 16 Menschen ums Leben. Seither machen Demonstrierende vor allem Korruption und mangelnde staatliche Kontrolle für die Katastrophe verantwortlich. Aus zunächst spontanen Besetzungen an Universitäten entwickelte sich eine breitere Protestwelle, an der sich später auch Bürgerinnen und Bürger in vielen Teilen des Landes beteiligten.
Die Regierung sieht sich damit weiter mit einer der größten innenpolitischen Herausforderungen seit Jahren konfrontiert. Die Protestbewegung verlangt seit rund einem Jahr vorgezogene Neuwahlen. Präsident Vucic hatte am Samstag seinen strategischen Rücktritt angekündigt. Details dazu wurden zunächst nicht bekannt.
Der Vidovdan hat in Serbien besondere symbolische Bedeutung. Er erinnert an die Schlacht auf dem Amselfeld am 28. Juni 1389, die im nationalen Selbstverständnis bis heute eine zentrale Rolle spielt. In Kraljevo traten auch mehrere Serben aus dem Kosovo auf und warfen der Führung in Belgrad vor, ihre Lage durch Unfähigkeit und Korruption weiter zu verschlechtern.
Die Kundgebung zeigte, dass die Proteste längst über den akademischen Ursprung hinausreichen. Was mit Studentenprotesten begonnen hat, ist zu einer breiten politischen Mobilisierung gegen Vucic und sein Machtgefüge geworden. Für den Präsidenten verschärft sich damit der Druck, nachdem die Bewegung nach dem Unglück von Novi Sad nicht abgeflaut ist, sondern sich über Monate im ganzen Land verankert hat.









