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Robert Herzl über Lesen, Schreiben und das Kino jenseits der Regeln

Redaktionelle Szene zum Thema „Robert Herzl über Lesen, Schreiben und das Kino jenseits der Regeln“

Robert Herzl sieht das Publikum für ungewöhnliche Stoffe offener als früher. „Jeder Youtuber kann dir heute die Standard-Regeln fürs Drehbuchschreiben erklären“, sagt der Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Filmproduzent. Um Menschen im Kino zu überraschen, müsse man Erwartungen unterlaufen und sie trotzdem bei der Stange halten.

Herzl, 50, spricht damit aus Erfahrung. Im vergangenen Jahr drehte er gemeinsam mit Oliver Paulus den Film Bernadette will töten, den er als Mischung aus „Boulevardkomödie und Hardcorehorror“ beschreibt. Für diese Verbindung aus populärem Theatergestus und harter Genrekost hat er den Begriff „Boulevardcore“ geprägt. Der Ansatz verweist auf eine Richtung, die in der österreichischen Filmszene selten geworden ist: ein Arbeiten mit klaren Genres, aber ohne deren vertraute Formeln einfach zu übernehmen.

Lesen als Gegenentwurf zur Routine

Der Buchtipp Herzls passt zu diesem Zugang. Wer schreibt, inszeniert und produziert, liest nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch als Gegenmittel gegen Routinen. Gerade im Kulturbereich, in dem Werke oft nach Schablonen bewertet werden, bleibt die Frage zentral, wie sich mit bekannten Formen etwas Eigenständiges erzählen lässt. Herzls Hinweis auf überraschende Erzählweisen lässt sich auch als Plädoyer für Literatur verstehen, die nicht gefällig sein will.

Dass sich der Künstler in einem Format über Bücher äußert, ist daher mehr als ein beiläufiger Nebenaspekt. Es zeigt eine Haltung, die auch seine Arbeit im Film prägt: weg von bloßer Handwerkstreue, hin zu einer bewussten Irritation des Publikums. Im besten Fall entstehen daraus Stoffe, die zugleich zugänglich und unberechenbar sind.

Herzl bewegt sich damit in einem Spannungsfeld, das viele Kulturschaffende derzeit beschäftigt. Zwischen Streaming, Social-Media-Kürze und immer rascher verfügbaren Erklärformaten wächst der Druck, Geschichten möglichst rasch lesbar zu machen. Herzls Gegenentwurf setzt auf Überraschung, auf Reibung und auf das Vertrauen, dass ein Publikum mehr aushält, als es oft unterstellt bekommt.

Mit Bernadette will töten hat er diesen Gedanken zuletzt auch filmisch zugespitzt. Der Buchtipp führt die Linie fort: Lesen, Schreiben und Inszenieren erscheinen bei Herzl nicht als getrennte Tätigkeiten, sondern als Teile derselben Frage, wie man Aufmerksamkeit erzeugt, ohne in Gewohnheiten zu verfallen.

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