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Neue Klangräume zwischen Jazz und Klassik

Redaktionelle Szene zum Thema „Neue Klangräume zwischen Jazz und Klassik“

Der US-Saxofonist Joe Lovano zeigt sich mit 73 Jahren weiter offen für neue Konstellationen: Mit seinem Paramount Quartet setzt er auf ein freies, expressives Zusammenspiel, das sich zwar auf Jazz-Konventionen stützt, sie aber spürbar erweitert. Neben Lovano prägt vor allem Gitarrist Julian Lage den luftigen Klang der Formation, die auch mit Schlagzeuger Will Calhoun und Bassist Matt Brewer besetzt ist.

Das Quartett trägt seinen Namen nicht zufällig. Lovanos neue Besetzung versteht sich als Klangkörper mit Anspruch, ohne sich in demonstrativer Virtuosität zu verlieren. In Stücken wie Fanfare for Unity trifft ein forscher, funkiger Puls auf offene Harmonik und weit gespannte Linien des Saxofons. Gerade diese Mischung aus Strenge und Freiheit verleiht dem Ensemble Profil.

Lovano, der seit Jahrzehnten zu den prägenden Stimmen des modernen Jazz zählt, bleibt damit einem Zugang treu, der Tradition nicht als Endpunkt versteht. Die Musik des Quartetts bewegt sich zwischen balladesker Wärme, rhythmischer Energie und einer bewusst vagen Tonalität. Das Ergebnis wirkt kontrolliert, aber nie statisch.

Auch abseits des Jazz setzen aktuelle Veröffentlichungen auf ungewöhnliche Perspektiven. Der Gitarrist und Komponist Peter Rom arbeitet mit surrealen Klangbildern, die sich eher aus Stimmungen und Texturen als aus klaren Formen entwickeln. Sein Ansatz verschiebt die gewohnten Grenzen zwischen Improvisation und Komposition.

Mit dem Schwarzenberg Trio rückt zudem ein Ensemble ins Blickfeld, das sich selten zu hörenden elegischen Raritäten widmet. Gerade in der Verbindung von klassischer Kammermusik und sensibler Programmgestaltung entsteht ein Kontrast zu den größeren Gesten des Jazz-Formats. So zeigt sich einmal mehr, wie produktiv die Schnittstelle zwischen beiden Genres sein kann.

Gemeinsam ist diesen Produktionen der Blick auf neue Zugriffsmöglichkeiten: Jazz und Klassik werden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern als offene Felder verstanden. Statt stilistischer Abgrenzung stehen persönliche Handschriften, Klangfarben und die Lust am Unvorhersehbaren im Vordergrund.

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