Österreich hat heuer den niederschlagsärmsten Frühling seit Beginn der Messungen erlebt. Nach der vorläufigen Klimabilanz der GeoSphere Austria lag das bundesweite Niederschlagsminus im meteorologischen Frühling von 1. März bis 31. Mai bei 50 Prozent gegenüber dem Klimamittel 1991 bis 2020.
Damit wurde der bisherige Negativrekord aus den Jahren 1865 und 1946 deutlich unterboten. Schon der Winter davor war niederschlagsarm gewesen, im Frühjahr setzten sich die trockenen Bedingungen dann flächendeckend fort. Besonders stark betroffen waren das Innviertel und der angrenzende Flachgau, wo die Defizite laut GeoSphere Austria bis zu 80 Prozent erreichten.
Historische Tiefstwerte an langjährigen Messstationen
Auch an Wetterstationen mit sehr langen Reihen wurden neue Tiefstwerte verzeichnet, darunter in Lienz mit Messungen seit 1854 und in Ried im Innkreis mit Daten seit 1872. Die Frühlingsmonate verliefen dabei durchgehend zu trocken: Im März lag das Niederschlagsdefizit bei 58 Prozent, im April bei 68 Prozent und im Mai noch bei 33 Prozent.
Regenfälle im Mai entschärften die Lage zwar zeitweise in den oberen Bodenschichten, an der Gesamtbilanz änderte das aber nichts. Für Landwirtschaft, Wald und Wasserhaushalt bleibt das Ausmaß der Frühjahrestrockenheit heikel, zumal die Böden nach dem Winter bereits mit zu wenig Feuchtigkeit in die Vegetationsperiode gestartet waren.
Frühling deutlich zu warm
Die Klimabilanz zeigt neben der Trockenheit auch ein deutliches Temperaturplus. Der Frühling lag im Schnitt um 1,2 Grad über dem Klimamittel 1991 bis 2020, verglichen mit 1961 bis 1990 sogar um 2,7 Grad. Nach zwei sehr warmen ersten Märzwochen kam es Ende März zu einem Kaltlufteinbruch, der vor allem in den Bergen und im Westen für Abkühlung sorgte.
Die Kombination aus warmem und trockenem Wetter verstärkt die Verdunstung und verschärft damit die Belastung für Vegetation und Böden zusätzlich. In der langjährigen Messgeschichte hebt sich der heurige Frühling damit als außergewöhnliches Extremereignis hervor.









