Marco Friedl könnte bei der Fußball-WM für Österreich eine wichtigere Rolle spielen als nur jene des Back-ups von David Alaba. Der 28-Jährige und der bald 34-jährige ÖFB-Kapitän kennen einander seit rund 15 Jahren, ihre Verbindung reicht zurück bis in Friedls frühe Nachwuchszeit bei Bayern München.
Damals war Alaba bereits Stammspieler in München, Friedl noch ein Tiroler Talent, das für das Training bei den Bayern täglich von Kirchbichl nach München gebracht wurde. Alaba ließ sich die Handynummer des jüngeren Landsmanns geben, lud ihn zu gemeinsamen PlayStation-Partien ein und wurde zu einer Art Bezugsperson. Aus der Bekanntschaft entwickelte sich eine Freundschaft, die bis heute hält. Auch Friedls Eltern spielten in dieser Phase eine große Rolle, weil sie ihren Sohn regelmäßig zum Nachwuchstraining nach München fuhren.
Die Geschichte der beiden enthält auch eine skurrile Episode aus Friedls Jugend: Er war in der Champions League als Ballbub im Einsatz, als Alaba auf der linken Seite rasch einen Einwurf brauchte. Friedl soll dabei kurz eingenickt sein. Heute ist er selbst Nationalspieler und einer jener Verteidiger, die im ÖFB-Team für unterschiedliche Aufgaben infrage kommen.
Für Teamchef Ralf Rangnick ist Friedl vor allem wegen seiner Vielseitigkeit interessant. Der Werder-Bremen-Spieler kann innen verteidigen, aber auch links eingesetzt werden. Genau diese Flexibilität macht ihn in einem Kader wertvoll, in dem David Alaba nach wie vor als zentrale Figur gilt, seine Rolle aber naturgemäß stärker von Fitness und Belastungssteuerung abhängt als früher.
Österreich setzt bei großen Turnieren traditionell auf eingespielte Achsen, doch gerade in der Defensive ist Stabilität gefragt. Friedl bringt dafür neben seiner Erfahrung im deutschen Klubfußball auch die Kenntnis von Alabas Spielweise mit. Sollte Alaba ausfallen oder nicht in voller Länge verfügbar sein, wäre Friedl eine naheliegende Option für eine Position, die im ÖFB-Team besondere Verantwortung trägt.
Für Friedl wäre eine WM nicht nur die nächste Station in seiner Nationalteam-Karriere, sondern auch die Chance, aus dem Schatten des langjährigen Freundes zu treten. Vom Balljungen an der Seitenlinie zum möglichen Fixpunkt im Kader: Diese Entwicklung erzählt auch ein Stück ÖFB-Geschichte.









