Mit Videos, Hashtags und klaren Botschaften stellt die FPÖ im Juni den Pride Month öffentlich infrage. Spitzenfunktionäre wie Generalsekretär Michael Schnedlitz, die Abgeordnete Susanne Fürst und der steirische Landesrat Hannes Amesbauer treten in sozialen Medien mit Anspielungen auf das sogenannte „Stolzmonat“-Narrativ auf und richten sich damit gegen die Regenbogenkampagne, die alljährlich im Juni für Sichtbarkeit und Gleichberechtigung von LGBTQ-Personen wirbt.
Schnedlitz zeigt sich in einem Posting im Grünen und spricht von „zwei Geschlechtern“. Amesbauer versieht sein Posting mit dem Hashtag #stolzmonat. Bereits im Vorjahr hatte die EU-Abgeordnete Petra Steger im Internet zu einem „Stolz statt Pride“-Wettbewerb aufgerufen. Die freiheitlichen Beiträge folgen damit einer Linie, die in der Partei seit Monaten und teils auch schon länger gepflegt wird: Der Pride Month wird nicht nur ignoriert, sondern aktiv konterkariert.
Der Begriff „Stolzmonat“ stammt nicht aus der FPÖ selbst. Verwendet wird er seit Jahren auch im Umfeld der AfD in Deutschland sowie in rechtsextremen Kreisen wie der Identitären Bewegung. In Österreich ist der Juni für diese Gegenkampagne heuer besonders sichtbar, weil die Regenbogenparade in Wien am 13. Juni stattfindet und damit den Schwerpunkt der Pride-Aktivitäten bildet.
Politikberater Thomas Hofer ordnet diese Linie als bewusste Ansprache eines bestimmten Milieus ein. Dahinter stehe der Versuch, gesellschaftliche Entwicklungen, die manchen Wählern zu weit gingen, politisch zu besetzen. Die FPÖ greife damit auch einen internationalen Kulturkampf auf, wie ihn etwa Donald Trump und andere rechtspopulistische Akteure in den USA vorantreiben. Für die Freiheitlichen ist das kein Randthema, sondern Teil einer Kommunikationsstrategie, die auf Abgrenzung und Mobilisierung setzt.
Die Debatte fällt in eine Phase, in der Fragen von Identität, Gleichstellung und Minderheitenschutz europaweit zunehmend politisiert werden. In Österreich trifft die FPÖ mit ihrer Kampagne auf eine Gesellschaft, in der der Pride Month längst sichtbar verankert ist, zugleich aber auch auf ein Milieu, das solche Zeichen als Provokation versteht. Der Konflikt um den Regenbogen ist damit nicht nur ein Social-Media-Phänomen, sondern auch ein politisches Signal für die kommenden Monate.









