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Chinas Frauen schweigen nicht mehr

Redaktionelle Szene zum Thema „Chinas Frauen schweigen nicht mehr“

In China wächst der sichtbare Widerspruch zwischen staatlicher Familienpolitik und dem Alltag vieler Frauen. Ein Kinofilm und der Erfolg einer politischen Bloggerin machen derzeit öffentlich, was lange nur im Privaten verhandelt wurde: Immer mehr Chinesinnen lehnen traditionelle Rollenbilder, eine Ehe um jeden Preis und den politischen Druck zur Familiengründung ab.

Ausgangspunkt ist die Tragikomödie „It’s OK“, die seit ihrer Premiere im April die chinesischen Kino-Charts anführt. Der Film von Regisseurin Yang Lina zeigt eine Mutter-Tochter-Beziehung und stellt den Konflikt zwischen gesellschaftlicher Erwartung und persönlicher Selbstbestimmung in den Mittelpunkt. In einer Szene auf einem Tretboot sagt ein Mann, Ehepartner hätten ein Anrecht auf Sex – eine Haltung, die in China nach wie vor eng mit der Debatte über Vergewaltigung in der Ehe verbunden ist. Die junge Frau springt daraufhin ins Wasser. Die Szene hat Symbolkraft, weil sie eine verbreitete Erfahrung verdichtet: Viele Frauen wollen sich mit einem Leben abfinden, das primär auf Ehe, Anpassung und Kinderkriegen ausgerichtet ist, nicht mehr.

Dass der Film auf so großes Interesse stößt, hängt auch mit der gesellschaftlichen Entwicklung zusammen. Die Zahl der Scheidungen steigt in China seit Jahren. 2025 waren es 2,7 Millionen. Laut dem britischen „Economist“ reichen in 70 Prozent der Fälle Ehefrauen die Scheidung ein. Das ist für die Regierung brisant, weil sie seit Jahren versucht, die Geburtenrate zu stabilisieren und der Alterung der Gesellschaft entgegenzuwirken.

Der Staat setzt dafür auf politische und finanzielle Anreize für Familien, zuletzt im Rahmen der Drei-Kind-Politik. Doch die zentrale Hürde liegt weniger bei Geld als bei der Lebensrealität vieler Frauen: Heirat bedeutet oft weiterhin die Erwartung, Sorgearbeit zu übernehmen, berufliche Ambitionen zurückzustellen und familiären Druck zu akzeptieren. Der Erfolg von „It’s OK“ zeigt, dass diese Konflikte inzwischen ein Massenpublikum erreichen.

Hinzu kommt der Einfluss einer neuen Generation weiblicher Stimmen im Netz. Politische Bloggerinnen und Kommentatorinnen sprechen offener über Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und die Grenzen traditioneller Ehemodelle. Sie benutzen dafür nicht immer ausdrücklich den Begriff Feminismus – auch weil der in China politisch heikel bleibt. Inhaltlich geht es aber genau darum: um die Frage, wie Frauen ihre Rechte, ihren Alltag und ihre Zukunft gegen soziale und staatliche Erwartungen behaupten.

So entsteht in China eine Form von Feminismus, die sich nicht offen so nennen darf, aber im Alltag zunehmend sichtbar wird. Der Protest ist nicht immer laut, oft nicht einmal ausdrücklich politisch. Doch er verändert, was als normal gilt – in der Ehe, in der Familie und in der öffentlichen Debatte.

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