In der Bibliothek Haiming ist Anfang Juli ein Vortrag über ADHS und hohe Begabung auf reges Interesse gestoßen. Unter dem Titel „Die Architektur des Unsichtbaren – Warum auffälliges Verhalten fast nie böser Wille ist. Ein Perspektivwechsel für ADHS und hohe Begabung“ informierte Dr. A. Johanna Urban am 2. Juli Eltern, Angehörige und Pädagoginnen und Pädagogen über die biologischen Hintergründe von ADHS und über Unterstützung im Alltag.
Der Abend stellte nach Angaben aus dem Umfeld der Veranstaltung klar, dass ADHS nicht als reines Verhaltensproblem zu verstehen ist. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum betroffene Kinder und Jugendliche häufig mit Unruhe, Impulsivität oder Konzentrationsproblemen auffallen, obwohl dahinter keine Absicht oder fehlender Wille stehen muss. Genau dieser Perspektivwechsel war auch der rote Faden des Vortrags.
Urban legte demnach den Fokus auf die biologischen Ursachen der Störung und auf praktische Wege, wie das Umfeld reagieren kann. Für Eltern und Lehrkräfte ist das relevant, weil ADHS im Alltag oft zuerst über Konflikte, Leistungsdruck oder Missverständnisse sichtbar wird. Entlastung entsteht vor allem dann, wenn die Beobachtung nicht bei der Oberfläche des Verhaltens stehen bleibt, sondern auf die Ursachen und auf passende Begleitung gerichtet wird.
Die Veranstaltung in Haiming zeigt zugleich, wie groß das Informationsbedürfnis zu ADHS und hoher Begabung ist. Dass zahlreiche Interessierte gekommen waren, spricht dafür, dass das Thema im Bildungs- und Familienalltag vieler Menschen an Bedeutung gewonnen hat. Besonders in der Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Schule und Betreuungseinrichtungen ist ein gemeinsames Verständnis der Symptome entscheidend.
ADHS zählt zu den häufigsten neuroentwicklungsbedingten Störungen im Kindes- und Jugendalter und bleibt oft bis ins Erwachsenenalter relevant. Fachleute betonen seit Jahren, dass Aufklärung über Symptome, Diagnostik und individuelle Unterstützung ein zentraler Baustein ist, um Betroffene zu entlasten und Konflikte im Alltag zu reduzieren. Genau in diesem Spannungsfeld bewegte sich auch der Vortrag in der Haiminger Bibliothek.
Für die Region Imst ist das Thema damit nicht nur ein medizinisches oder pädagogisches Randthema, sondern ein praktischer Teil des Alltags vieler Familien. Wo auffälliges Verhalten vorschnell als mangelnde Disziplin gelesen wird, drohen Fehlurteile. Ein sachlicher Blick auf ADHS kann helfen, Kinder und Jugendliche besser zu verstehen und gezielter zu unterstützen.









