Die österreichische Regisseurin Sandra Wollner hat in Cannes in der Reihe Un Certain Regard mit ihrem Film „Everytime“ gewonnen. Die 1983 in Leoben geborene Filmemacherin setzt damit ihre internationale Festival-Erfolgsgeschichte fort. Schon ihr früherer Langfilm „Das unmögliche Bild“ hatte mit seiner ungewöhnlichen Form Aufmerksamkeit erregt.
Wollner arbeitet seit Jahren an einem Kino, das Realität nicht schlicht abbildet, sondern Wahrnehmung und Erinnerung gegeneinander verschiebt. In „Das unmögliche Bild“ erzählte sie von einer österreichischen Familie nach dem Zweiten Weltkrieg und von einem Mädchen, das zugleich vor und hinter der Kamera zu sehen ist. Der Film machte sie in der internationalen Festivallandschaft bekannt und zeigte bereits jene Methode, die nun auch ihr Cannes-Erfolg prägt: Bilder, die sich nicht glatt auflösen, sondern Reibung erzeugen.
„Everytime“ knüpft an diese Handschrift an. Wollner interessiert sich für Störungen im Bewusstseinsstrom, für Brüche im Erzählen und für Zwischenräume, in denen ein Film nicht eindeutig festlegt, was real, erinnert oder imaginiert ist. Gerade damit hebt sie sich im gegenwärtigen europäischen Autorenkino ab, das in Cannes regelmäßig mit formalen Experimenten vertreten ist. Die Auszeichnung in Un Certain Regard bestätigt nun, dass diese radikale Bildsprache auch international Resonanz findet.
Für das österreichische Kino ist der Preis ein weiterer Hinweis darauf, dass sich abseits des Mainstreams eigenwillige Arbeiten aus Österreich behaupten können. Wollner gehört seit ihrem Debüt zu den markantesten Stimmen einer Generation, die mit psychologischer Genauigkeit und formaler Strenge arbeitet. Dass sie nun in Cannes ausgezeichnet wurde, stärkt ihre Position als eine der interessantesten Regisseurinnen des Landes.









