Im Jüdischen Museum Wien ist eine Ausstellung des israelischen Künstlers Eran Shakine zu sehen, die mit einem bekannten Witzanfang spielt und daraus Fragen nach Perspektive, Religion und Zusammenleben entwickelt. Unter dem Titel A Muslim, a Christian, and a Jew präsentiert Shakine Comicszenen und Malereien, in denen Vertreter der drei abrahamitischen Religionen aufeinandertreffen – oft mit überraschenden Gemeinsamkeiten.
Im Mittelpunkt steht eine typische Shakine-Figur: knapp gezeichnet, humorvoll, aber mit ernstem Kern. Der Künstler greift den Satz „Ein Muslim, ein Christ und ein Jude …“ auf, der zunächst nach Pointe klingt, und macht daraus eine bildnerische Versuchsanordnung. Seine Figuren sitzen etwa gemeinsam auf einer Gondel des Wiener Riesenrads oder erscheinen in Situationen, die Unterschiede weniger betonen als die geteilte menschliche Erfahrung.
Shakine, der in Israel lebt und arbeitet, ist für Arbeiten bekannt, die mit klaren Linien, Ironie und kulturellen Zuschreibungen spielen. In Wien ist sein Werk nun in einem Kontext zu sehen, der dem Thema zusätzliche Schärfe verleiht: Die Stadt ist religiös vielfältig, zugleich bleibt die Geschichte des Nationalsozialismus als Bruchlinie präsent. Die Ausstellung nimmt diesen Spannungsbogen auf, ohne ihn platt auszuleuchten.
Gerade das Jüdische Museum bietet dafür einen passenden Rahmen. Die gezeigten Arbeiten verbinden Popästhetik mit religionsgeschichtlichen Anspielungen und holen ein oft belastetes Thema in eine leicht lesbare Bildsprache. Shakines Zugang setzt nicht auf Erklärung von oben, sondern auf das Nebeneinander von Witz, Irritation und Wiedererkennbarkeit.
So wird aus einem Satzanfang, der im Alltag als Kalauer funktionieren könnte, eine Serie von Bildern über Nähe trotz Unterschied. Shakines Ausstellung verhandelt damit nicht nur Religion, sondern auch die Frage, wie Vorurteile und Gemeinsamkeiten in derselben Form auftauchen können – und wie Kunst daraus einen offenen Blick macht.









