Wiener Stadtbäume leiden unter zwei Extremen zugleich: Nach langen Trockenphasen kommt oft Starkregen, der rasch in die Kanalisation abfließt. Ein Schwammstadtprinzip soll dieses Wasser künftig im Untergrund speichern und den Bäumen zugutekommen.
Im Osten Österreichs fiel heuer bis Ende Juni nach Angaben aus dem Umfeld des Themas teils um bis zu 50 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Das setzt vor allem junge Stadtbäume unter Druck, deren Wurzeln in versiegelten Flächen oft nur wenig Platz haben. Nach dem Schwammstadtprinzip wird unter den Baumstandorten ein spezieller Aufbau aus groben Steinen und Einschlämmmaterial angelegt. Er nimmt Wasser auf, speichert es und gibt es über Drainagerohre gezielt an den Wurzelraum weiter.
Mehr Wurzelraum, mehr Überlebenschancen
Der entscheidende Punkt ist der verfügbare Raum unter der Oberfläche. Dort sollen sich die Wurzeln nicht nur ausbreiten können, sondern auch mit Wasser versorgt werden, wenn es regnet. Anders als bei herkömmlichen Baumpflanzungen versickert Niederschlag nicht sofort ungenutzt in den Kanal, sondern bleibt im System. Gerade in Städten mit versiegelten Böden kann das für das Anwachsen und spätere Wachstum von Bäumen ausschlaggebend sein.
Im Versuchsgarten der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Wien wird dieses Prinzip seit Jahren getestet. Dort stehen zwei Baumreihen, die gleichzeitig gepflanzt wurden. Eine davon entwickelte sich deutlich besser, weil sie nach dem Schwammstadtprinzip versorgt wird. Die Pflanzung erhält so nicht nur mehr Wasser, sondern auch einen stabileren Wurzelraum.
Purpur-Erle gilt als geeignete Baumart
Als passende Art für solche Standorte gilt die Purpur-Erle, botanisch Alnus x spaethii. Der Baum entstand 1908 zufällig in der Berliner Baumschule des Gärtners Franz Späth. Er wird zwölf bis 15 Meter hoch und acht bis zehn Meter breit. Vor allem in jungen Jahren wächst er rasch und gilt als anpassungsfähig.
Für Städte könnte das Konzept in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Denn Starkregen und Trockenheit treten immer häufiger im Wechsel auf. Wenn Regenwasser nicht mehr nur über Kanäle abgeführt, sondern vor Ort gespeichert wird, profitieren nicht nur die Bäume. Auch der Druck auf die Kanalisation sinkt. Für Stadtplaner und Grünraumverantwortliche wird damit die Frage wichtiger, wie neue Pflanzungen von Beginn an auf Klimastress ausgelegt werden.









