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Warum sich viele in Österreich gegen Kinder entscheiden

Redaktionelle Szene zum Thema „Warum sich viele in Österreich gegen Kinder entscheiden“

Hohe Wohnkosten, unsichere Jobs, der Druck zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und wachsende Zukunftssorgen tragen nach Einschätzung der Sozialwissenschafterin Claudia Rahnfeld dazu bei, dass sich in Österreich immer mehr Menschen gegen Kinder entscheiden oder eine Familiengründung hinauszögern. Die Erwartungen an Elternschaft seien deutlich gestiegen, sagt Rahnfeld: Wer heute ein Kind bekomme, solle zugleich emotional präsent, finanziell abgesichert, gesund und möglichst auch noch jederzeit verfügbar sein.

„Die meisten Menschen wollen nach wie vor Kinder“, betont die Expertin. Elternschaft sei aber „keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern eine bewusste Entscheidung“. Anders als frühere Generationen erlebten viele Unsicherheit heute nicht mehr als vorübergehende Phase, sondern als Zustand, der die gesamte Lebensplanung präge. Gerade das Zusammenspiel mehrerer Belastungen mache die Entscheidung schwerer: Wohnkosten, Jobunsicherheit, Ausbildung, Karriere und der Wunsch nach persönlicher Freiheit wirkten oft gleichzeitig.

Rahnfeld beschreibt damit einen gesellschaftlichen Wandel, der sich auch in der Familienpolitik bemerkbar macht. Nicht nur finanzielle Fragen, sondern auch veränderte Rollenbilder und ein stärker normierter Anspruch an „gute Eltern“ beeinflussten die Entscheidung für oder gegen Nachwuchs. Wer heute Kinder haben wolle, stehe häufig unter dem Eindruck, erst dann anfangen zu können, wenn beruflich, privat und finanziell alles passt.

Zusätzlichen Druck erzeugten soziale Medien. Dort dominierten oft idealisierte Bilder von Familie und Elternschaft, sagt Rahnfeld. Das verstärke den Eindruck, man müsse als Mutter oder Vater dauerhaft perfekt funktionieren. Aus einer Entscheidung für Kinder werde so für viele eine Hürde, die sich immer weiter nach hinten verschiebe.

Pandemie hat Familienplanung zusätzlich beeinflusst

Auch die Corona-Pandemie habe die Familienplanung messbar verändert, so Rahnfeld. Die Forschung zeige inzwischen deutlich, dass die Geburtenraten zunächst stabil geblieben seien, später aber rückläufig waren. Die Pandemie habe damit bestehende Unsicherheiten verstärkt und einen ohnehin schon schwierigen Entscheidungsprozess weiter belastet.

Für die demografische Entwicklung ist das politisch relevant: Wenn Elternschaft immer stärker an Bedingungen geknüpft wird, reicht Familienpolitik nicht allein über einzelne Förderungen oder Appelle. Entscheidend sind Rahmenbedingungen, die Planbarkeit schaffen – von leistbarem Wohnen über sichere Beschäftigung bis zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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