Österreichs Wälder sollen mit Hilfe neuer Baumarten widerstandsfähiger gegen Hitze, Trockenheit und Krankheiten werden. Forscher des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) prüfen dafür Arten aus wärmeren und trockeneren Regionen Europas – und in einzelnen Fällen auch von anderen Kontinenten –, die künftig besser mit den veränderten Bedingungen zurechtkommen könnten.
Im Zentrum steht das Konzept der „assisted migration“, also der unterstützten Wanderung. Dahinter steckt der Versuch, Baumarten gezielt dort anzusiedeln, wo sie nach Einschätzung der Fachleute unter den künftig zu erwartenden Klimabedingungen gute Chancen haben. Silvio Schüler vom BFW verweist darauf, dass sich Krankheiten und andere Stressfaktoren für den Wald bereits deutlich verschärft haben. Die zentrale Frage lautet daher: Welche Arten werden in Österreich in den kommenden Jahrzehnten noch bestehen können?
Die Forscher schauen dabei nicht nur auf heimische Bestände, sondern auch auf Baumarten, die sich in anderen Teilen Europas bereits an wärmere und trockenere Standorte angepasst haben. Ein Beispiel ist die kalabrische Weißtanne. Sie kommt in Österreich zwar vor, wächst aber in Südeuropa unter Bedingungen, die näher an jenen liegen könnten, die künftig auch in Teilen des heimischen Waldes herrschen.
Diskutiert wird außerdem die Ungarische Eiche, die von Serbien bis in die Türkei verbreitet ist. Solche Arten könnten helfen, Wälder robuster zu machen, wenn klassische Baumarten durch den Klimawandel unter Druck geraten. Der Ansatz ist nicht neu, gewinnt aber angesichts von Hitzeperioden, Schädlingen und zunehmender Trockenheit an Gewicht.
Gleichzeitig bleibt der Umgang mit fremden Arten heikel. Nicht jede eingeführte Baumart passt ins Ökosystem. So können invasive Arten wie der Götterbaum oder der Blauglockenbaum heimische Lebensräume verdrängen oder andere Probleme auslösen. Genau deshalb wird nach Angaben der Forscher sorgfältig geprüft, welche Arten sich für eine Einbringung eignen und welche Risiken sie mitbringen.
Zu den Kandidaten gehört auch die Douglasie. Der aus Nordamerika stammende Nadelbaum gilt in der Fachdebatte als vergleichsweise gut geeignet, weil er an unterschiedlichen Standorten wachsen kann. Das Ziel der Forscher ist jedenfalls kein Wald aus wenigen dominierenden Arten, sondern ein vielfältigerer Mischwald mit mehreren Baumarten auf einer Fläche. Dadurch sollen die Bestände gegenüber Klimaextremen und Krankheiten stabiler werden.
Für Österreichs Forstwirtschaft ist das mehr als eine akademische Frage. Der Umbau der Wälder entscheidet mit darüber, wie gut Holzproduktion, Schutzfunktion und Biodiversität in Zukunft zusammengehen. Je stärker sich das Klima verändert, desto wichtiger wird die Auswahl jener Arten, die auch in mehreren Jahrzehnten noch tragfähig sind.









