Rund 30 Prozent der Verkehrsunfälle in Österreich ließen sich nach Einschätzung des Unfallforschers Ernst Pfleger vermeiden, wenn die bereits erhobenen Daten konsequent ausgewertet und in Maßnahmen umgesetzt würden. Der BOKU-Professor sieht in den erfassten Unfalldaten einen „wahren Datenschatz“, der bislang oft nicht genutzt werde.
Österreichweit werden Unfälle mit Personenschaden von der Exekutive elektronisch dokumentiert. Dabei werden nach Angaben aus dem Umfeld der Unfallforschung Zeitpunkt, Ort und Ablauf erfasst und in das sogenannte Unfalldatenmanagement eingespeist. Genau dort liege das Problem, sagte Pfleger: Zwischen Datensammlung und konkreten Konsequenzen klaffe häufig eine Lücke.
Weniger Tempo, mehr Analyse
Nach Pflegers Einschätzung sind es nicht in erster Linie Tempolimits, höhere Strafen oder neue Regeln, die die Zahl der Verletzten deutlich senken würden, sondern eine systematische Auswertung der bestehenden Informationen. Gefragt seien vor allem jene Stellen, die aus den Daten Muster erkennen und daraus gezielte Änderungen ableiten, etwa bei Infrastruktur, Verkehrsführung oder Absicherung von Unfallschwerpunkten.
Pfleger verweist dabei auch auf die wirtschaftlichen Folgen von Verkehrsunfällen. Unter Einbeziehung des menschlichen Leids habe der volkswirtschaftliche Schaden im Vorjahr laut Studien des Mobilitätsministeriums 8,5 Milliarden Euro betragen. Die Dimension zeige, dass es nicht nur um Blechschäden gehe, sondern um enorme Kosten für Betroffene und Gesellschaft.
Debatte über Datennutzung
Der Unfallforscher kritisiert seit Jahren, dass Österreich zwar sehr genau erfasse, was auf den Straßen passiere, die Daten aber zu selten in wirksame Prävention übersetzt würden. Aus seiner Sicht könnte gerade diese Auswertung helfen, klassische Unfallmuster früher zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Damit steht weniger die Zahl der erhobenen Daten als deren praktische Nutzung im Zentrum der Diskussion.
Österreich gilt im europäischen Vergleich als Land mit besonders detaillierter Unfallstatistik. Für Pfleger ist das kein Selbstzweck, sondern eine Verpflichtung: Wer die Ursachen von Unfällen kennt, müsse daraus auch Maßnahmen ableiten. Andernfalls bleibe ein wesentlicher Teil des Potenzials zur Senkung von Verletzten und Todesopfern ungenutzt.









