Nach einem Angriff auf Christen im oberägyptischen Dorf Tal al-Qibliya im Gouvernement Minya wächst unter den Kopten die Sorge vor einer neuen Welle religiöser Gewalt in Ägypten. Laut dem Hilfswerk Christen in Not (CiN), das sich auf Quellen aus der koptischen Kirche beruft, griffen Extremisten Kirchgänger an, demolierten das Auto eines Priesters und kappten den Strom zur örtlichen Kirche.
Die jüngsten Ausschreitungen folgten nach Angaben von Bischof Makarius von Minya auf frühere Vorfälle in demselben Dorf. Die Kirchenleitung habe die lokalen Behörden demnach mehrfach auf die Lage hingewiesen. Todesopfer wurden nicht gemeldet, es gab Verletzte und Sachschaden. Nach dem Einschreiten der Polizei sei die Sicherheitslage zwar wieder ruhig, zugleich aber angespannt geblieben.
Minya gilt seit Jahren als eine der sensibelsten Regionen für die christliche Minderheit in Ägypten. Immer wieder kam es dort zu Übergriffen, Spannungen und lokalen Ausbrüchen von Gewalt gegen Kopten. CiN verweist darauf, dass in der Region bereits in der Vergangenheit regelmäßig christliche Gemeinden Ziel solcher Attacken gewesen seien.
Das Hilfswerk sieht die aktuelle Entwicklung auch im größeren politischen Umfeld. Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs nehme die Zahl der Anfeindungen und Angriffe auf die christliche Gemeinschaft in Ägypten deutlich zu, sagte CiN-Generalsekretär Martin Morawetz gegenüber Kathpress. Unter Präsident Abdel Fattah al-Sisi und nach der Zerschlagung der Muslimbruderschaft habe die Gewalt zunächst abgenommen. Nun kehrten aber Angst und Sorge vor weiterer Eskalation zurück.
Ägyptens Kopten stellen mit schätzungsweise rund zehn Prozent der Bevölkerung die größte christliche Gemeinschaft im Nahen Osten. Trotz wiederholter staatlicher Zusagen bleibt ihr Alltag in einzelnen Landesteilen von Diskriminierung, lokalen Konflikten und Sicherheitsproblemen geprägt. Gerade in Oberägypten sind religiös aufgeladene Spannungen immer wieder ein politisches Thema, weil sie Fragen nach dem Schutz von Minderheiten und nach der Durchsetzung staatlicher Kontrolle berühren.
CiN arbeitet in Minya gemeinsam mit lokalen Kirchenvertretern, unter anderem bei Alphabetisierungskursen für Frauen. Die Hilfsorganisation warnt seit Jahren vor der prekären Lage der Christen in der Region. Der Angriff in Tal al-Qibliya verstärkt nun erneut die Kritik, dass die Sicherheitslage trotz punktueller Polizeieinsätze für die betroffenen Gemeinden fragil bleibt.









