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Digitaler Euro soll Europas Abhängigkeit von US-Zahlungsriesen verringern

Redaktionelle Szene zum Thema „Digitaler Euro soll Europas Abhängigkeit von US-Zahlungsriesen verringern“

Die EU treibt den digitalen Euro weiter voran. Die gemeinsame digitale Währung soll Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen und Europas Zahlungsverkehr unabhängiger von US-Konzernen machen. Nach dem derzeitigen Fahrplan könnte 2027 eine Pilotphase starten, 2029 wäre ein offizieller Marktstart möglich.

Im Zentrum des Projekts steht die Frage, wer in Europa den digitalen Zahlungsverkehr kontrolliert. In Österreich werden laut Oesterreichischer Nationalbank bereits neun von zehn Kartentransaktionen über Visa und Mastercard abgewickelt. OeNB-Direktor Josef Meichenitsch verwies bei einer Pressekonferenz auf die daraus entstehende Abhängigkeit von den USA und zog Vergleiche mit früheren Versorgungskrisen bei Gas, Halbleitern und Öl.

Der digitale Euro ist als Ergänzung zum Bargeld konzipiert. Er soll Zahlungen im Alltag genauso möglich machen wie Überweisungen oder Kartenzahlungen, aber von einer öffentlichen Infrastruktur getragen werden. Damit will die EU auch ein Gegengewicht zu den großen privaten Zahlungsanbietern schaffen, deren Systeme in weiten Teilen des europäischen Marktes dominieren.

Das Vorhaben gilt seit Jahren als eines der größten geldpolitischen Digitalprojekte in der EU. Die Europäische Zentralbank arbeitet daran gemeinsam mit den EU-Institutionen an den technischen und rechtlichen Grundlagen. Bevor der digitale Euro eingeführt werden kann, müssen allerdings die Mitgliedstaaten und das Europaparlament die nötigen Regeln verabschieden.

Für Konsumenten und Unternehmen steht dabei viel auf dem Spiel. Sollte das Projekt wie geplant umgesetzt werden, könnte der digitale Euro grenzüberschreitende Zahlungen in der Eurozone vereinheitlichen und die Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsdienstleistern senken. Für den Handel wiederum geht es um die Frage, welche Infrastruktur künftig bei Zahlungen im Laden und online verwendet wird.

Offen ist weiter, wie weitreichend die Nutzung im Alltag tatsächlich sein wird und wie sich Banken, Zahlungsdienstleister und Händler auf das neue System einstellen. Klar ist nur: Mit dem digitalen Euro versucht die EU, ein Stück strategische Souveränität im Finanzsystem zurückzugewinnen.

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