Norbert Steger, einst FPÖ-Vizekanzler und später ORF-Stiftungsratschef, blickt in einem aktuellen Interview auf seinen Machtverlust in der Freiheitlichen Partei zurück. Vor 40 Jahren verlor er das innerparteiliche Duell gegen Jörg Haider – und beschreibt heute, wie er danach in der Partei rasch ausgegrenzt wurde.
Steger sagte, er sei „plötzlich zur Persona non grata“ geworden. Aus der Partei ausgetreten sei er erst später, eingetreten sei er danach nie wieder. Der frühere FPÖ-Chef schildert damit eine Zäsur, die nicht nur seine politische Laufbahn prägte, sondern auch für den Kurswechsel der FPÖ in den 1980er-Jahren steht.
Machtwechsel in der FPÖ
Steger war in jener Phase Vizekanzler, ehe sich das Kräfteverhältnis in der FPÖ zugunsten von Haider verschob. Der Wandel war Teil eines Umbruchs, in dem die Partei ihre Richtung neu definierte. Steger verweist darauf, dass er aus einem „anderen Biotop“ gekommen sei als seine Vorgänger in der Partei.
Der heute 80-Jährige ordnet die damaligen Konflikte nicht nur als persönlichen Machtverlust ein, sondern auch als Ausdruck unterschiedlicher politischer Zugänge. Er habe etwa in strategischen Fragen auch mit Parteifreunden wie Jörg Haider oder Alexander Götz nicht übereingestimmt. Götz’ Satz „Attackieren, statt arrangieren“ habe er mit „Politik heißt immer attackieren und arrangieren“ kontert.
Kritik an ORF-Strukturen
Im selben Gespräch äußerte sich Steger auch zur Zukunft des ORF. Er hält den öffentlich-rechtlichen Rundfunk grundsätzlich für reformierbar, plädiert aber für Änderungen von innen heraus. Der neugewählte ORF-Chef Clemens Pig habe es schwer, weil das Gesetz antiquiert sei, sagte Steger.
Besonders wichtig wäre aus seiner Sicht ein stimmberechtigter zweiter Geschäftsführer. Das sei nicht aus parteipolitischen Gründen nötig, sondern wegen eines Vieraugenprinzips in einem Unternehmen mit rund einer Milliarde Euro Budget. Auch die Causa rund um den früheren ORF-Manager Pius Strobl wäre in einem solchen Modell so nicht denkbar gewesen, meinte Steger.
Kontrolle als politisches Prinzip
Steger verwies zudem auf seine Rolle im Stiftungsrat und darauf, dass er damals einen Einnahmen- und Ausgabenbericht von „Licht ins Dunkel“ verlangt habe. Das habe ihm der damalige ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz mit dem Hinweis auf die rechtliche Eigenständigkeit des Vereins verweigert. Für Steger ist das ein Beispiel dafür, warum Kontrolle „für die Mächtigen immer gut“ sei, um Fehlentwicklungen zu verhindern.
Mit seinen Rückblicken liefert Steger nicht nur eine persönliche Bilanz seines Bruchs mit der FPÖ, sondern auch einen seltenen Einblick in die Machtverschiebungen innerhalb der Partei und in die Diskussion über die Strukturen des ORF.









