Mit einer Jahrespacht von einem Euro hält ein gemeinnütziger Verein die Bahnstrecke zwischen Mistelbach und der Draisinenalm Grafensulz im Bezirk Mistelbach in Betrieb. Das Zayataler Schienentaxi fährt dort weiterhin auf Gleisen, die sonst längst nicht mehr genutzt würden. Rund hundert Ehrenamtliche sichern damit eine Verbindung, auf der der letzte Personenzug der ÖBB bereits 1986 unterwegs war.
Die Strecke selbst hat eine lange Geschichte: Seit 1904 verbinden die Gleise Korneuburg und Mistelbach. Heute sorgt der Verein dafür, dass der Abschnitt im Zayatal nicht verfällt. Dafür übernimmt er die Erhaltung der Infrastruktur – von der laufenden Kontrolle über Schwellen- und Vegetationsarbeiten bis zur Pflege der Signale und der kleinen historischen Bahnhofsgebäude. Das Land Niederösterreich kontrolliert den Zustand der Bahn regelmäßig.
Freiwillige Arbeit statt regulärem Bahnbetrieb
Der Betrieb ist bewusst entschleunigt. Mit maximal 20 Kilometer pro Stunde rollt der buttergelbe Zug durch die Landschaft. Für die Fahrgäste bedeutet das keine Eile, für die Helferinnen und Helfer aber viel Handarbeit. Bei Kreuzungen wird gesichert, die Strecke wird instand gehalten, und der kleine Betrieb muss im Alltag organisiert werden wie ein technisches Denkmal auf Schienen.
Gerhard Klas, 68, ehemaliger ÖBB-Eisenbahner, ist einer jener Freiwilligen, die das Projekt tragen. Für ihn und die anderen Ehrenamtlichen ist das Schienentaxi weit mehr als eine touristische Attraktion: Es hält eine Bahnlinie lebendig, die nach dem Ende des Personenverkehrs bereits abgeschrieben schien. Dass heute wieder Züge zwischen Mistelbach und Grafensulz unterwegs sind, ist damit vor allem dem Einsatz der Vereinsmitglieder zu verdanken.
Der Fall zeigt, wie stark regionale Infrastruktur in Niederösterreich oft vom Engagement vor Ort abhängt. Wo ein regulärer Bahnbetrieb nicht mehr wirtschaftlich wäre, sichern Freiwillige mit viel Zeit und technischem Aufwand einen Restbetrieb, der für die Region Identität und Mobilität zugleich bedeutet.









