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Essen als Erinnerungsspeicher: Sabine Scholl über Geschmack, Herkunft und Verlust

Redaktionelle Szene zum Thema „Essen als Erinnerungsspeicher: Sabine Scholl über Geschmack, Herkunft und Verlust“

Sabine Scholl schreibt in einem Essay über Essen als Speicher von Zugehörigkeit, Erinnerung und Verlust. Ausgehend von gemeinsamen Mahlzeiten und Festen beschreibt sie, wie Speisen nicht nur satt machen, sondern Erfahrungen, Orte und Beziehungen festhalten – oft in Bruchstücken, die erst später wieder zusammengefügt werden können.

Im Mittelpunkt steht dabei das gemeinsame Essen als kulturelle Praxis. Scholl verknüpft den Geschmack von Speisen mit Situationen, in denen Nähe hergestellt wird: am Tisch, beim Grillen, beim Feiern oder bei einer Mahlzeit, die über den bloßen Genuss hinausweist. Essen wird so zum Ausdruck von Gemeinschaft, aber auch zum Träger von Erzählungen, die sich mit jeder Zubereitung verändern können.

Der Text setzt bei einem konkreten Bild an: Fernando schwärmt von seinem Grundstück in Upstate New York, von der waldigen Umgebung und dem Teich zum Schwimmen. Er plant ein Grillfest, Freunde sollen anreisen, manche mit Kindern zelten, andere buchen Zimmer in der nächsten Kleinstadt. Fernando will ein ganzes Lamm im Freien braten, seine Paellas sind ohnehin bekannt. Wochenlang ist davon die Rede. Gerade in solchen Vorbereitungen zeigt sich, wie eng Essen mit Erwartung, Zugehörigkeit und sozialem Gedächtnis verbunden ist.

Scholl interessiert sich in ihrem Essay auch für die Veränderlichkeit von Geschmack. Je nach Ort, Umfeld und Situation kann dasselbe Essen anders wahrgenommen werden. Damit rückt sie eine Erfahrung ins Zentrum, die weit über Kulinarik hinausgeht: Essen bleibt nicht statisch, sondern wird durch Erinnerungen, Atmosphären und Verluste immer wieder neu aufgeladen.

Der Essay liest sich damit auch als Reflexion darüber, wie sich Vergangenes bewahren lässt, ohne es vollständig festhalten zu können. Was gegessen, geteilt oder erzählt wurde, bleibt oft nur in Fragmenten erhalten. Gerade darin liegt für Scholl die Bedeutung von Speisen als Erinnerungsspeicher: Sie halten fest, was sonst verloren ginge.

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