Die Pont Neuf in Paris ist mehr als 40 Jahre nach der berühmten Verhüllung durch Christo und Jeanne-Claude erneut zum Kunstort geworden. Der französische Künstler JR lässt die älteste Seine-Brücke derzeit in eine begehbare Höhle verwandeln – als Hommage an das legendäre Projekt von 1985 und zugleich als neues, eigenständiges Werk im öffentlichen Raum.
JR sprach zum Beginn der Aufbauarbeiten von einer „Reise ins Innere von Paris, in ein anderes Universum“. Die Installation trägt den Namen „Caverne du Pont-Neuf“ und hat die Brücke bereits deutlich verändert: Wo sonst der Blick auf die steinerne Architektur dominiert, entsteht nun eine begehbare, kunstvoll inszenierte Innenwelt, die Touristinnen und Touristen ebenso anzieht wie Passantinnen und Passanten.
Die Wahl des Ortes ist kein Zufall. Als Christo und Jeanne-Claude 1985 die Pont Neuf verhüllten, wurde das Bauwerk selbst zum Bild und die Stadt für kurze Zeit neu lesbar. JRs Projekt knüpft an diese Erinnerung an, ohne sie zu wiederholen: Statt den Brückenbau zu umhüllen, rückt er dessen innere Wirkung in den Mittelpunkt und setzt auf räumliche Erfahrung statt bloßer Oberfläche.
Die Aktion fügt sich in eine jüngste Serie von Pariser Kulturerlebnissen ein, bei denen historische Orte durch Kunst oder Auktionen neue Aufmerksamkeit erhalten. Erst vor wenigen Tagen sorgte auch eine Versteigerung für Schlagzeilen, bei der 14 Stufen der Originalstiege des Eiffelturms für 450.000 Euro den Besitzer wechselten. Paris inszeniert seine Monumente damit einmal mehr nicht nur als Denkmäler, sondern auch als Schauplätze zeitgenössischer Verwertung und Deutung.
Dass die Pont Neuf nun selbst wieder zum Schauplatz einer großen künstlerischen Intervention wird, dürfte auch über die Kunstszene hinaus Wirkung entfalten. Die Brücke ist eines der bekanntesten Bauwerke der Stadt, ihr Status als älteste Brücke über die Seine verleiht dem Projekt zusätzliches Gewicht. JR setzt damit auf einen Ort, der im kollektiven Gedächtnis bereits stark mit der Kunstgeschichte verbunden ist.









