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Polen entzieht Selenskyj höchsten Orden nach Streit um UPA-Vergangenheit

Redaktionelle Szene zum Thema „Polen entzieht Selenskyj höchsten Orden nach Streit um UPA-Vergangenheit“

Polens Präsident Karol Nawrocki hat Wolodymyr Selenskyj den Weißer-Adler-Orden aberkannt. Mit der höchsten staatlichen Auszeichnung des Landes war der ukrainische Präsident 2015 geehrt worden. Auslöser des Schritts ist der erneute Streit um die Rolle der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) im Zweiten Weltkrieg.

Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der Polen zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland zählt. Das Land hat seit Beginn der russischen Invasion hunderttausende Geflüchtete aufgenommen und gilt für westliche Hilfslieferungen als zentrale logistische Drehscheibe. Der Entzug des Ordens ist daher auch politisch brisant, weil er die ohnehin belasteten Beziehungen zwischen Warschau und Kiew weiter strapazieren dürfte.

Historisch sensible Frage zwischen Warschau und Kiew

Im Zentrum steht die Erinnerung an die Verbrechen der UPA an der polnischen Zivilbevölkerung während des Zweiten Weltkriegs. In Polen ist das Thema bis heute hochsensibel, weil die Massaker in Wolhynien und Ostgalizien als nationales Trauma gelten. In der Ukraine wird die UPA dagegen teils als Teil des antideutschen und antisosowjetischen Widerstands gesehen. Genau diese gegensätzlichen historischen Deutungen sorgen seit Jahren immer wieder für Spannungen.

Nawrocki, der die polnische Erinnerungspolitik seit seinem Amtsantritt deutlich betont, setzt mit dem Entzug des Ordens ein klares Signal. Der Weißer-Adler-Orden ist die älteste und höchste zivile Auszeichnung Polens. Dass er einem amtierenden Staatschef entzogen wird, ist ein außergewöhnlicher Schritt und unterstreicht die Schärfe des Konflikts.

Belastete Beziehungen trotz enger Zusammenarbeit

Zwischen Polen und der Ukraine besteht weiterhin eine enge sicherheitspolitische Zusammenarbeit. Polen ist für die ukrainische Verteidigung gegen Russland von zentraler Bedeutung, weil Waffen, Munition und humanitäre Hilfe über polnisches Gebiet in die Ukraine gelangen. Zugleich gibt es in Polen innenpolitisch wachsenden Druck, historische Fragen stärker zu betonen und ukrainische Forderungen nach Unterstützung nicht vorbehaltlos zu beantworten.

Der Streit um die UPA ist deshalb mehr als ein symbolisches Ringen um historische Deutung. Er berührt auch aktuelle politische Interessen, die in Warschau vor allem im Verhältnis zu den vielen ukrainischen Kriegsflüchtlingen, zur weiteren Militärhilfe und zur Sicherheit an der NATO-Ostflanke eine Rolle spielen. Der Entzug des höchsten Ordens dürfte die diplomatische Irritation nicht beseitigen, sondern vorerst vertiefen.

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