Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

Väter nehmen in Österreich selten längere Karenz

Redaktionelle Szene zum Thema „Väter nehmen in Österreich selten längere Karenz“

In Österreich bleibt Elternkarenz meist eine Sache der Mütter. Zwar liegt die Väterbeteiligung in der Steiermark im Bundesländer-Vergleich vergleichsweise hoch, doch nur selten bleiben Männer länger als sechs Monate zu Hause. Das zeigt eine Auswertung des Momentum Instituts zum Vatertag auf Basis des Wiedereinstiegsmonitorings 2025.

Demnach lag der Männeranteil unter den Elternkarenzbeziehern 2023 bei rund 18,8 Prozent und damit unter dem Niveau von 2019. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind deutlich: In der Steiermark und in Wien nimmt fast jeder vierte Vater Karenz in Anspruch, in Tirol, Kärnten und im Burgenland ist der Anteil deutlich niedriger.

Entscheidend ist aus Sicht des Instituts aber nicht nur, ob Väter überhaupt Karenz nehmen, sondern wie lange. Nur knapp jedes fünfte Paar teilt sich die Karenzzeit in irgendeiner Form auf. Weniger als ein Prozent der Väter bleibt länger als sechs Monate zu Hause. Die Folge: Die Aufteilung der Sorgearbeit bleibt in vielen Familien ungleich.

„In der Praxis ist Karenz in Österreich überwiegend immer noch Muttersache“, sagte Sophie Achleitner vom Momentum Institut. Studien zeigten, dass längere Karenzzeiten von Vätern die Aufteilung der Betreuung nachhaltiger verändern können. Frauen kehrten dann seltener früh ins Berufsleben zurück.

Auch der sogenannte Papa-Monat wird den Daten zufolge nur von etwa 15 Prozent der Paare in Österreich genutzt. Regional gibt es dabei ebenfalls deutliche Unterschiede, wobei Vorarlberg die geringste Nutzung aufweist. Achleitner sieht den Papa-Monat als möglichen Einstieg, aber nicht als Ersatz für eine breitere Beteiligung der Väter: Gleichstellung entstehe durch Verantwortung im Alltag.

Auffällig ist laut Auswertung auch das Zeitmuster bei der Karenz: Väter gehen überdurchschnittlich oft in den Sommermonaten in Karenz. Von 2008 bis 2025 waren im Schnitt 3.450 Väter in den Sommermonaten in Karenz, in anderen Monaten waren es 2.800.

Das Momentum Institut plädiert daher für stärkere Anreize und verbindlichere Modelle, damit Karenz partnerschaftlicher aufgeteilt wird. Gerade in der Steiermark zeigen die Daten zwar eine im Bundesvergleich relativ hohe Väterbeteiligung. Von einer gleichmäßigen Verteilung der Sorgearbeit ist das Land aber ebenso wenig wie Österreich insgesamt entfernt.

Diesen Artikel teilen