Karin Bergmann ist seit heuer die erste weibliche Intendantin der Salzburger Festspiele. Im Gespräch blickt sie auf ihre überraschende Bestellung zurück und auf die Causa um ihren Vorgänger Markus Hinterhäuser, die ihre Ernennung begleitet hat. Bergmann sagt, hinter ihrer interimistischen Bestellung habe „kein Masterplan“ gestanden, auch sie selbst habe die Entwicklungen erstaunt.
Ursprünglich war Bergmann nach dem von Hinterhäuser gewünschten Zuschnitt offenbar für die Leitung der Schauspielsparte vorgesehen. Dass sie schließlich an die Spitze der Festspiele rückte, hängt mit den Turbulenzen um Hinterhäuser zusammen, dessen eigene Position ins Wanken geriet. Für Bergmann war der Aufstieg damit nicht das Ergebnis einer lang geplanten Rochade, sondern einer Abfolge von Entscheidungen und Wendungen, die sich erst im Lauf der Gespräche zuspitzten.
Die frühere Burgtheater-Chefin betont zugleich, wie heikel die Konstellation ist. In Teilen des Umfelds werde sie wegen ihres Rollenwechsels kritisch gesehen, sagt sie sinngemäß – für manche gelte sie deshalb als „Verräterin“. Gemeint ist damit offenbar der Vorwurf, von der Krise rund um Hinterhäuser profitiert zu haben. Bergmann selbst verweist im Interview darauf, dass ihre Bestellung nicht auf einem kalkulierten Plan beruhte.
Die Personalie ist für die Salzburger Festspiele auch kulturpolitisch bedeutsam. Bergmann bringt große Erfahrung aus Wien und von den Salzkammergut Festwochen Gmunden mit, übernimmt in Salzburg aber eine Funktion mit besonderem symbolischem Gewicht: Erstmals steht eine Frau an der Spitze des traditionsreichen Festivals. Damit markiert ihre Bestellung nicht nur einen Wechsel an der Führungsspitze, sondern auch einen Einschnitt in der Geschichte des Hauses.
Der Fall zeigt zugleich, wie eng Kunstbetrieb und Personalpolitik bei einem internationalen Festival verknüpft sind. Bei den Festspielen geht es nicht allein um künstlerische Programme, sondern auch um Machtfragen, Vertrauen und öffentliche Wahrnehmung. Bergmanns Antritt ist deshalb von Beginn an von der Debatte um Hinterhäuser mitgeprägt – und von der Frage, wie sie die Festspiele nach der turbulenten Phase führen wird.









