Der Internationale Strafgerichtshof hat seinen Chefankläger Karim Khan mit sofortiger Wirkung suspendiert. Über eine endgültige Amtsenthebung sollen die Vertragsstaaten des Gerichts bei einer Sondersitzung entscheiden, wie das Präsidium der Mitgliedsstaaten in Den Haag mitteilte.
Hintergrund sind Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen den britischen Juristen. Eine enge Mitarbeiterin hatte Khan bereits 2024 beschuldigt, sie über längere Zeit bedrängt und zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. Khan bestreitet die Vorwürfe. Er hatte sein Amt seit mehr als einem Jahr vorläufig ruhen lassen und angekündigt, zurückkehren zu wollen, sobald die Angelegenheit geklärt sei.
Die Suspendierung erfolgt in einer politisch heiklen Phase für das Gericht in Den Haag. Khan war seit 2021 Chefankläger und hatte unter anderem Haftbefehle gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und den russischen Präsidenten Wladimir Putin beantragt. Vor allem der Schritt gegen Netanjahu führte zu massivem Druck aus den USA, die daraufhin Sanktionen gegen Mitarbeiter und Richter des Gerichts verhängten.
Eine von den Vereinten Nationen eingesetzte Kommission hatte die Vorwürfe gegen Khan untersucht. Auf dieser Grundlage legten drei Richter des Weltstrafgerichts ein Rechtsgutachten vor. Beide Dokumente wurden bisher nicht veröffentlicht. Die Vertragsstaaten des Internationalen Strafgerichtshofs wollen nun rasch über die weitere Vorgangsweise entscheiden. Dem Gericht haben 125 Staaten den Grundlagenvertrag unterzeichnet, darunter alle EU-Staaten.









