Extrig.at

Die unabhängige Onlinezeitung für Österreich

Iran-Experte: Neue Angriffe ändern das Kräfteverhältnis im Nahen Osten kaum

Redaktionelle Szene zum Thema „Iran-Experte: Neue Angriffe ändern das Kräfteverhältnis im Nahen Osten kaum“

Die jüngsten Angriffe zwischen Iran und Israel haben nach Einschätzung des Iran-Experten Walter Posch keine grundlegende Verschiebung der Kräfteverhältnisse im Nahen Osten ausgelöst. Die Lage sei aber weiterhin angespannt, sagte Posch in der ZiB2. Von einer Entspannung könne keine Rede sein.

Posch verwies darauf, dass Teheran unter erheblichem Erwartungsdruck seiner Verbündeten gestanden sei. Vor allem in der Hisbollah und im Umfeld ihrer Sympathisanten sei die Frage laut geworden, warum der Iran nicht eingreife. Zugleich habe sich im Inneren Irans die Macht verschoben: Nach dem Tod von Ayatollah Khamenei hätten religiöse Entscheidungsträger an Einfluss verloren, während die Generäle der Revolutionsgarde stärker geworden seien.

Damit sei aus iranischer Sicht eine Schwelle überschritten worden, sagte Posch. Erstmals habe Iran nicht auf einen israelischen Angriff reagiert, sondern die Hisbollah aktiv unterstützt. Für Israel sei das nun ein Argument, sich gegen Angriffe aus dem Iran und über dessen Verbündete verteidigen zu können.

An der regionalen Grundkonstellation habe sich dennoch wenig verändert. „Im Prinzip hat sich ja an der Machtbalance gar nichts verändert“, sagte Posch. Keine der beteiligten Seiten – Iran, Hisbollah, Israel, die Houthi-Miliz oder die USA – könne derzeit einfach zurückweichen. Die Schäden seien zwar erheblich, die Zahl der menschlichen Opfer aber nach seiner Einschätzung vergleichsweise gering geblieben.

Posch deutete die jüngsten Schläge daher nicht als Wendepunkt, sondern als Teil eines festgefahrenen Schlagabtauschs. „Keine der Seiten kann jetzt zurückgehen“, sagte er. Waffenstillstände seien in dieser Lage keine dauerhaften Lösungen, sondern eher „Feuerpausen“, bevor der Konflikt erneut aufflamme.

Diplomatische Auswege seien derzeit nicht in Sicht. Statt auf Verhandlungen setzten die Konfliktparteien darauf, dass der jeweilige Gegner nachgebe. Genau das mache die Situation so gefährlich, sagte Posch: Solange niemand zu einer echten Kursänderung bereit sei, bleibe die Lage im Nahen Osten instabil.

Diesen Artikel teilen