Radka Denemarková stellt in ihrem neuen Roman „Schokoladenblut“ die Lebenswege von George Sand und der in Wien geborenen tschechischen Autorin Božena Němcová neben den Aufstieg des US-Industriellen und Erdölmagnaten Rockefeller. Das Buch liest sich damit wie ein vielschichtiges Panorama über Literatur, Macht und soziale Ungleichheit.
Im Zentrum stehen zwei Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, deren Biografien unterschiedlicher kaum sein könnten und doch ähnliche Strukturen der Benachteiligung sichtbar machen. Denemarková erzählt von George Sand, die sich früh gegen Konventionen stellte, und von Božena Němcová, die in ihrer Zeit weit weniger Anerkennung erhielt. Beide stehen für eine Epoche, in der Frauen zwar schrieben, aber kaum unter denselben Bedingungen arbeiten konnten wie Männer.
Der Roman greift damit ein Thema auf, das über die historische Perspektive hinausweist: die systematische Geringschätzung weiblicher Autorschaft. Denemarková beschreibt nach dem vorliegenden Stoff eine Literaturwelt, in der selbst talentierte Frauen oft ohne höhere Bildung und Universitätszugang blieben, ihre Werke gering geschätzt wurden und sich die Aufmerksamkeit nicht selten stärker auf Aussehen und Privatleben als auf das Schreiben richtete.
Die dritte Erzählspur führt zu Rockefeller und damit in die Welt von Industrie, Geld und ökonomischer Macht. Durch diese Verbindung erweitert Denemarková den Blick von der Literaturgeschichte auf die Frage, wie gesellschaftliche Hierarchien entstehen und fortwirken. Der Roman verknüpft so individuelle Lebensläufe mit größeren Macht- und Besitzverhältnissen.
„Schokoladenblut“ wirkt laut dem vorliegenden Text wie ein Buch aus mehreren Büchern. Genau darin liegt offenbar sein Anspruch: nicht nur zwei Autorinnen zu würdigen, sondern ihre Geschichten in einen größeren Zusammenhang von kultureller Anerkennung, sozialer Ungleichheit und wirtschaftlicher Dominanz zu stellen. Damit reiht sich Denemarkovás Roman in jene Gegenwartsliteratur ein, die historische Stoffe nutzt, um fortdauernde Missverhältnisse sichtbar zu machen.









