Mit einer Aufführung aus Sofia haben die Wiener Festwochen im Burgtheater Robert Wilsons „The Tempest“ gezeigt und damit an den im Juli 2025 gestorbenen US-Regisseur erinnert. Die Inszenierung brachte jenes streng komponierte Theater zurück, für das Wilson weltweit bekannt wurde: stilisierte Bewegungen, präzise Lichtführung, Puppen, Tableaux und ein Bühnenraum, der mehr Traum als Illusion ist.
Shakespeares „Der Sturm“ ist für Wilsons Ästhetik ein naheliegender Stoff. Prospero, Herrscher über eine künstliche Inselwelt, lässt in dieser Deutung nicht nur die Figuren, sondern auch die Zeit selbst geordnet erscheinen. Ariel, gespielt von Vasilena Vincenzo, erfüllt Prosperos Anweisungen mit fast mechanischer Genauigkeit und gewinnt dem Abend gerade daraus eine eigentümliche Leichtigkeit. Das Resultat ist ein Theaterabend, der weniger auf psychologische Zuspitzung setzt als auf Form, Rhythmus und Bildkraft.
Wilson, der über Jahrzehnte zu den einflussreichsten Theaterkünstlern der Gegenwart zählte, prägte mit seinen Arbeiten eine Ästhetik des Reduzierten und Monumentalen zugleich. Seine Inszenierungen arbeiteten oft mit verlangsamen Bewegungen, starken Farbflächen und exakt gesetzten Lichtwechseln. Gerade diese Handschrift machte ihn zu einem Regisseur, der Shakespeare, Oper und Performance-Kunst gleichermaßen veränderte. „The Tempest“ fügt sich in diese Linie ein und wirkt im Burgtheater wie eine konzentrierte Rückschau auf ein geschlossenes Werk.
Für die Wiener Festwochen ist die Produktion auch ein Signal im eigenen Programm: Sie holen nicht nur eine internationale Produktion nach Wien, sondern verbinden sie mit einer posthumen Würdigung Wilsons. Dass der Abend aus Sofia stammt, unterstreicht zudem den transnationalen Charakter des Festivals, das regelmäßig auf Koproduktionen und Gastspiele setzt. Im Fall von „The Tempest“ wird daraus ein Abend, der weniger als Neubefragung eines Klassikers funktioniert als als Wiederbegegnung mit einer unverwechselbaren theatralen Sprache.
Im Zentrum steht damit nicht ein aktualisierender Shakespeare, sondern Robert Wilson selbst: sein Blick auf Figuren als bewegte Bilder, auf Sprache als Teil einer exakt komponierten Partitur und auf das Theater als Raum der Verwandlung. Dass diese Form nun posthum in Wien gefeiert wird, passt zu einem Künstler, dessen Arbeit über Jahrzehnte gerade durch ihre formale Strenge dauerhafte Wirkung entfaltete.









