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9/11 und die Folgen von Rassismus auf der Bühne der Festwochen

Redaktionelle Szene zum Thema „9/11 und die Folgen von Rassismus auf der Bühne der Festwochen“

Beim Wiener Schauspielhaus sind derzeit im Rahmen der Festwochen vier Kurzstücke unter dem Titel „9/11 Frames Per Second“ zu sehen, die die Folgen der Anschläge vom 11. September 2001 aus einer kulturpolitischen und gesellschaftlichen Perspektive verhandeln. Im Zentrum steht dabei nicht der Terrorakt selbst, sondern der verstärkte Rassismus gegen nichtweiße Menschen in den USA nach Nine Eleven.

Die mit dem Schauspielhaus koproduzierten Stücke basieren auf Texten der US-amerikanischen Schriftstellerin Claudia Rankine und der in New York lebenden Schauspielerin Helga Davis. Beide schildern, wie die amerikanische Regierung nach den Anschlägen ein Klima der Angst und der Verfolgung beförderte. Der Blick richtet sich damit auf eine Entwicklung, die in den Vereinigten Staaten bis heute nachwirkt: Muslimische, arabisch gelesene und andere nichtweiße Menschen gerieten nach 2001 stärker unter Generalverdacht.

Die Arbeiten stellen laut der Festivaldramaturgie auch die Wahrnehmungsgeschichte von 9/11 infrage. Der Einsturz der Zwillingstürme werde im westlichen Gedächtnis oft als Zäsur eines historischen Epochenbruchs erinnert, während andere Gewalt- und Kriegserfahrungen aus dem Blick geraten. Genau an dieser Stelle setzt die Produktion an: Sie zeigt, wie Erinnerung politisch geformt wird und welche Ereignisse im öffentlichen Gedächtnis aufgewertet oder verdrängt werden.

Rankine und Davis führen das Thema in unterschiedlichen szenischen Formen aus. Der Abend arbeitet mit Kurzformaten, die den Schwerpunkt auf Sprache, Zuschreibung und Macht legen. Die angekündigte „belehrende Domina“ deutet auf eine inszenatorische Zuspitzung, mit der die Stücke gesellschaftliche Hierarchien und rassistische Blickregime sichtbar machen wollen.

Für die Wiener Festwochen fügt sich die Produktion in einen Schwerpunkt ein, der internationale Gegenwartsdramatik mit politischen Debatten verbindet. „9/11 Frames Per Second“ verschiebt die Erinnerung an den 11. September damit vom historischen Ausnahmeereignis hin zu den sozialen und kulturellen Folgen, die weit über die USA hinausreichen und auch das Verständnis von Sicherheit, Zugehörigkeit und Ausschluss geprägt haben.

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