Der Rechtspopulist Rodolfo Hernández hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Kolumbien gewonnen und zieht damit in die Stichwahl ein. Nach dem vorläufigen Auszählungsstand erreichte der Unternehmer und frühere Bürgermeister von Bucaramanga knapp vor seinem Rivalen Gustavo Petro die meisten Stimmen.
Die Abstimmung fand unter dem Eindruck einer massiven Gewaltwelle statt. In mehreren Teilen des Landes kam es im Vorfeld zu Anschlägen und Angriffen, bei denen nach übereinstimmenden Berichten dutzende Menschen getötet wurden. Kolumbien gehört seit Jahrzehnten zu den Staaten Lateinamerikas, die am stärksten von bewaffneten Konflikten, Drogengewalt und politischer Instabilität geprägt sind.
Hernández, der sich als Außenseiter gegen die etablierten politischen Kräfte positioniert hat, führte im Wahlkampf mit scharfer Anti-Korruptions-Rhetorik. Der 77-Jährige mobilisierte vor allem Wählerinnen und Wähler, die einen Bruch mit dem politischen Establishment wollen. Für die Stichwahl dürfte nun entscheidend werden, ob er weitere Teile des konservativen Lagers hinter sich versammeln kann.
Gegenkandidat Petro, ein ehemaliger Guerillakämpfer und früherer Bürgermeister von Bogotá, gilt als Vertreter des linken Lagers. Die Entscheidung über das künftige Staatsoberhaupt fällt erst in der zweiten Runde. Dann geht es auch darum, ob Kolumbien erstmals seit Jahren einen klaren Machtwechsel nach links erlebt oder ob der Rechtskurs fortgesetzt wird.
Die Wahl gilt als Richtungsentscheid in einem Land, das von sozialer Ungleichheit und Sicherheitsproblemen geprägt ist. Die Gewalt im Vorfeld verstärkte zusätzlich die Sorge, dass der Wahlkampf unter außergewöhnlich schwierigen Bedingungen geführt werden musste.









