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Jelineks „Unter Tieren“ als Marathonlesung im Burgtheater

Redaktionelle Szene zum Thema „Jelineks „Unter Tieren“ als Marathonlesung im Burgtheater“

Elfriede Jelineks neuer Text „Unter Tieren“ ist im Burgtheater in einer mehrstündigen Vorab-Lesung vorgestellt worden. Regisseur Nicolas Stemann setzte das Stück als Marathonlesung in Szene, bevor der Text in Buchform erscheinen soll. Im Zentrum steht Jelineks literarische Auseinandersetzung mit dem Geld – und mit einer Welt, in der ökonomische Logik auch das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren bestimmt.

Geld, Macht und Tierstimmen

Der Text arbeitet mit Tierfiguren wie Schaf, Taube, Bär, Affe, Hund und Dachs. Sie sprechen über das Geld, das im Stück nicht als neutrales Tauschmittel erscheint, sondern als Machtfaktor, der Körper, Arbeit und Leben prägt. Schon der Titel verweist auf die Doppelbewegung, die Jelinek häufig interessiert: auf das Tierische im Menschen und auf die Härte einer Ordnung, in der alles seinen Preis hat.

Stemann, seit Jahren einer der wichtigsten Interpreten von Jelineks Theatertexten, machte daraus im Burgtheater eine offene Vorabbesichtigung des „Mammuttextes“. Die Lesung dauerte viereinhalb Stunden und legte den Schwerpunkt auf den Sprachfluss des Textes. Jelineks typische Verfahren sind dabei erkennbar: Wortkaskaden, ironische Verdichtungen und die Verschiebung bekannter Redewendungen in eine bitterere Gegenwart.

Dass „Unter Tieren“ nun zuerst als Lesung gezeigt wurde, passt zu Jelineks Arbeitsweise. Ihre Texte entstehen oft zwischen Literatur, Theater und politischer Diagnose. Auch hier verbindet sie die Frage nach dem Geld mit einem Zugriff auf Sprache, der keine klare Trennung zwischen ökonomischer und moralischer Ordnung zulässt. Das Geld erscheint nicht als abstraktes Thema, sondern als Struktur, die in den Beziehungen zwischen den Figuren eingeschrieben ist.

Das Burgtheater bot dafür einen hell ausgeleuchteten Raum, der den Eindruck von Distanz und Überzeichnung verstärkte. Die Lesung wurde damit auch zu einer Form der Materialprüfung: Nicht die Handlung stand im Vordergrund, sondern die Sprache selbst, die Jelineks Text trägt und zugleich zerlegt.

Mit „Unter Tieren“ setzt Jelinek ihre lange Reihe von Stücken fort, die gesellschaftliche Verhältnisse nicht über klassische Dramaturgie, sondern über Sprachkritik vermessen. Der neue Text richtet den Blick auf eine Ökonomie, in der der Wert des Geldes mit dem Unwert des Lebendigen kollidiert – und macht daraus ein Theater der Zumutungen.

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