In Kyjiw beginnt die Clubnacht teils schon mittags, in Charkiw tanzen junge Menschen nur rund 30 Kilometer Luftlinie von der Front entfernt. Der Krieg prägt damit auch die Clubkultur in der Ukraine: Techno läuft weiter, während Sirenen und die Drohung durch russische Shaheds den Alltag bestimmen.
Im Fokus steht dabei die Szene in der Hauptstadt. Im RVBR, einem Club im Closer-Komplex an der Nyschnjojurkiwska-Straße auf einem alten Fabrikgelände, legt DJ Symonenko harten, präzisen Techno auf. Neben dem RVBR liegen das O’tel und gleich um die Ecke der Plattenladen Octan. Zusammen mit dem K41 bildet das Areal ein dichtes Zentrum des Kyjiwer Undergrounds.
Der Club K41 ist laut Bericht ein besonders wichtiger Ort dieser Szene. An einem Samstagabend warten dort nur noch wenige Menschen vor dem Eingang, während drinnen getanzt wird. Die Clubs funktionieren damit nicht nur als Ausgehorte, sondern auch als Räume, in denen sich der urbane Alltag trotz des Krieges fortsetzt.
Der Kontrast zwischen Musik und Bedrohung ist in der Ukraine allgegenwärtig. Während in Kyjiw in den Clubs aufgelegt wird, bleibt die Gefahr durch Luftalarm und Angriffe bestehen. Das prägt auch die Atmosphäre in Städten näher an der Front, etwa in Charkiw, wo junge Menschen nur wenige Dutzend Kilometer von den Kampfhandlungen entfernt feiern.
Die Szene wirkt damit wie ein Protokoll des Durchhaltens: Raves am Nachmittag, Techno in alten Industriegebäuden und ein Publikum, das sich nicht aus dem öffentlichen Leben verdrängen lässt. Der Krieg bleibt im Hintergrund stets mit hörbar – als Sirene, als Alarm und als Schatten über einer Kultur, die weiter stattfindet.









