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Klangsinnlichkeit und Kitsch in der Kollegienkirche

Redaktionelle Szene zum Thema „Klangsinnlichkeit und Kitsch in der Kollegienkirche“

In der Salzburger Kollegienkirche hat ein Konzert der Festspiele einen Bogen von der Renaissance bis zur Moderne gespannt – mit Patricia Kopatchinskaja, dem Klangforum Wien und Cantando Admont. Im Zentrum stand dabei Tigran Mansurians Agnus Dei für Violine, Klarinette, Violoncello und Klavier, das den Kirchenraum mit bewusst zurückgenommener, sakral gefärbter Klangsprache füllte.

Der armenische Komponist setzt auf eine Musik, die in ihrer Ruhe und Schlichtheit zwischen Andacht und Kitsch balanciert. Gerade diese Spannung prägte den Abend in dem barocken Raum, der sich als musikalischer Resonanzkörper für Werke mit spiritueller oder kontemplativer Ausrichtung anbietet. Das Klangforum Wien, das sonst vor allem für präzise, oft strenge Zugriffe auf die Musik der Moderne steht, formte Mansurians Partitur mit großer Akribie.

Doch das Werk bleibt in dieser Lesart nicht frei von Ambivalenz. Wo die Musik in ihrer Tongebung auf Verinnerlichung und Ernst zielt, gerät sie zugleich in die Nähe eines bedeutungsschwer dahintönenden Klangs, der sich nur punktuell durch harmonische Brechungen öffnet. Der Effekt ist weniger ein dramatischer Konflikt als ein stilles Ringen mit der Grenze zwischen Ernsthaftigkeit und sentimentaler Überhöhung.

Dass ein Ensemble wie das Klangforum Wien sich auf ein solches Stück einlässt, macht den Abend auch programmatisch interessant. Die Gruppe ist im Feld der neuen Musik eine feste Größe; in der Kollegienkirche zeigte sie sich nun in einem Repertoire, das weniger auf Schärfe als auf klangliche Innerlichkeit setzt. Patricia Kopatchinskaja fügte sich in diese Konstellation als Solistin, die zwischen Expressivität und Zurücknahme agieren kann.

Das Konzert stand damit beispielhaft für eine Festspielprogrammatik, die nicht nur auf Reibung und Avantgarde zielt, sondern auch auf historische und ästhetische Übergänge. Die Musik in der Kollegienkirche wurde so zu einem Versuch, alte und neue Klangsprachen in einen gemeinsamen Raum zu bringen – mit offenem Ausgang zwischen Klangsinnlichkeit und Kitsch.

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