Am 9. Juni 1926 wurde die Raxseilbahn eröffnet – als erste Personen-Seilschwebebahn Österreichs und als technisches Prestigeprojekt ihrer Zeit. In nur zehn Minuten brachte sie Fahrgäste von Hirschwang an der Rax auf 1.546 Meter Seehöhe und machte damit den Zugang zum Raxplateau für ein breiteres Publikum möglich.
Die Bahn traf einen Nerv. Schon im 19. Jahrhundert hatte das Bergsteigen in den Wiener Alpen an Popularität gewonnen, doch der Aufstieg auf die Rax blieb mühsam und war vor allem für geübte Wanderer und Bergsteiger machbar. Als ab 1897 die Zahnradbahn auf den Schneeberg mehr Menschen bequem in die Höhe brachte, wuchs auch auf der Rax der Wunsch nach einer technischen Aufstiegshilfe.
Die Idee hatte einen langen Vorlauf. 1913 erhielt der Maschinenbauingenieur Walter Conrad die Bewilligung für Vorarbeiten, nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Pläne konkreter. 1924 wurde erneut eine Genehmigung für Trassierungsarbeiten erteilt. Im Juli 1925 begannen schließlich die Arbeiten an der Seilschwebebahn.
Das Projekt war umstritten. Gegen die Bahn regte sich Protest, auch die Gemeinde Wien stellte sich wegen des Hochquellgebiets gegen das Vorhaben und befürchtete Auswirkungen auf die Wasserversorgung. Vorgesehen war nicht nur die Seilbahn, sondern auch ein Hotel am Raxplateau.
Gleichzeitig galt der Bau als Meisterleistung. Masten, Seile und schwere Bauteile mussten auf steilem Gelände montiert werden. Die damalige Presse feierte die Bahn als „Mittelding zwischen Flugzeug und Omnibus“; andere Medien sprachen vom „Hochgebirge auf dem Präsentierteller“ oder von einem „Zweitausender zum Gabelfrühstück“. Sogar der Bundespräsident kam zur Eröffnung.
Mit der Raxseilbahn wurde die Rax zu einem Ausflugsziel, das sich auch ohne tagelangen Bergaufstieg erreichen ließ. Die Bahn steht damit exemplarisch für den Beginn des modernen Bergtourismus in Österreich – und für den Versuch, Naturerlebnis und Technik miteinander zu verbinden.









