Eine zeitweise Abschaltung von Windkraftanlagen kann das Risiko für Zugvögel nach einer neuen Studie deutlich senken, ohne die Stromproduktion stark zu belasten. Forschende der Schweizer Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) kommen zum Schluss, dass gezielte Pausen in bestimmten Phasen ein praktikabler Kompromiss zwischen Artenschutz und Energieerzeugung sein können.
Für ihre Analyse wertete das Team Daten von 37 Wetterradaren aus Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg aus. Die Radarsysteme, die normalerweise Niederschlag messen, erfassten dabei auch Vogelschwärme auf dem Zug. Nach den Berechnungen sind in den untersuchten Regionen jährlich rund 114 Millionen Vögel potenziell durch die Rotoren von Windrädern gefährdet. Diese Zahl berücksichtigt bereits, dass Anlagen bei zu wenig oder zu viel Wind stillstehen und die Ausrichtung der Rotoren die Gefahrenfläche verkleinert. Ohne diese Faktoren läge der Wert bei 208 Millionen.
Die Forschenden spielten verschiedene Abschaltszenarien durch. Das Ergebnis: Mit einer Reduktion möglicher Kollisionen um 50 Prozent würde demnach nur ein Produktionsverlust von 1,2 Prozent einhergehen. Selbst eine Verringerung des Risikos um 90 Prozent wäre laut Studie mit einem Stromverlust von 7,6 Prozent verbunden. Damit rücken zeitlich begrenzte Abschaltungen als vergleichsweise wirksame Maßnahme in den Blick.
Veröffentlicht wurden die Resultate in der Fachzeitschrift „Nature Sustainability“. Aus Sicht der WSL zeigt die Untersuchung, dass Windkraft und Vogelschutz nicht grundsätzlich unvereinbar sein müssen. Entscheidend sei, die Anlagen in jenen Zeitfenstern zu stoppen, in denen große Zugbewegungen auftreten.
Die Studie reiht sich in eine breitere Debatte ein, wie der Ausbau erneuerbarer Energie naturverträglich gestaltet werden kann. Besonders für Regionen mit starkem Vogelzug dürfte die Frage nach betrieblichen Schutzmaßnahmen an Bedeutung gewinnen. Nach Angaben der Forschenden sind weitere Berechnungen geplant.









