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Warum Angela Merkel vor allem bei jungen Menschen wieder Ansehen gewinnt

Redaktionelle Szene zum Thema „Warum Angela Merkel vor allem bei jungen Menschen wieder Ansehen gewinnt“

Angela Merkel erlebt fünf Jahre nach ihrem Abschied aus dem Kanzleramt eine bemerkenswerte Rückkehr in die politische Debatte. Besonders unter jüngeren Menschen gilt die Altkanzlerin inzwischen vielen wieder als vergleichsweise stabile und verlässliche Figur – in einer Zeit, in der Kriege, politische Polarisierung und wirtschaftliche Unsicherheit das Bedürfnis nach Orientierung verstärken.

Der Hintergrund ist ein Stimmungswandel: Während Merkel gegen Ende ihrer Amtszeit von Teilen der Öffentlichkeit scharf kritisiert wurde, fällt die Bewertung heute nüchterner bis wohlwollend aus. Ihre 16-jährige Kanzlerschaft steht nun stärker für Kontinuität, Krisenmanagement und einen pragmatischen Regierungsstil als für die Konflikte der Spätphase ihrer Amtszeit. Gerade junge Erwachsene, die die großen politischen Umbrüche der vergangenen Jahre vor allem als Folgekrisen erlebt haben, vergleichen die Merkel-Jahre zunehmend mit der Gegenwart.

Warum das Bild der Altkanzlerin kippt

Hinzu kommt, dass Merkel selbst weiterhin präsent bleibt. Mit ihren Erinnerungen und öffentlichen Auftritten hält sie die politische Vergangenheit ihrer Amtszeit im Gespräch. Ihr Buch „Freiheit“, das ihre Lebens- und Regierungsgeschichte nachzeichnet, liefert dabei nicht nur persönliche Rückschau, sondern auch einen Anlass für die erneute Beschäftigung mit ihrer Politik. Die Erzählung der früheren Kanzlerin trifft auf ein Publikum, das politische Berechenbarkeit heute oft höher bewertet als symbolische Zuspitzung.

Dass ausgerechnet Jüngere Merkel positiver sehen, hängt auch mit dem Vergleich zu ihren Nachfolgern zusammen. Olaf Scholz konnte die Sehnsucht nach Stabilität nur teilweise bedienen, während die Ampelkoalition über Jahre mit internen Konflikten und Vertrauensverlust kämpfte. In diesem Umfeld erscheint Merkels Regierungsstil vielen rückblickend weniger polarisierend, auch wenn ihre Politik in zentralen Fragen – von der Energieabhängigkeit bis zur Migrationspolitik – weiterhin kritisch beurteilt wird.

Zwischen Nostalgie und politischer Neubewertung

Die Rückkehr der Merkel-Nostalgie ist daher weniger eine vorbehaltlose Glorifizierung als eine Verschiebung der Maßstäbe. Wer die Gegenwart als krisenhaft erlebt, blickt auf frühere Jahre oft milder zurück. Merkel profitiert davon, dass sie für einen politischen Typus steht, der heute seltener geworden ist: kontrolliert, nüchtern, konfliktarm im Auftreten und stark auf Verwaltung statt Inszenierung ausgerichtet.

Für die deutsche Politik ist das ein bemerkenswerter Befund. Die frühere CDU-Chefin bleibt auch im Ruhestand eine Projektionsfläche – für Enttäuschung ebenso wie für Sehnsucht. Dass sie gerade bei jungen Menschen an Zustimmung gewinnt, sagt deshalb nicht nur etwas über Angela Merkel aus, sondern auch über die Lage der Gegenwartspolitik.

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