In Hall in Tirol ist der Streit um den männlichen Marketender der Speckbacher Stadtmusikkapelle Hall erneut sichtbar geworden. Johannes Scharf marschierte bei der Fronleichnamsprozession wieder mit, obwohl die Kapelle wegen seiner Teilnahme vom Bezirks-Schützenfest ausgeladen worden war.
Bei der Prozession trat Scharf mit einem Schnapsfass an der Spitze der Musikkapelle auf. Im Gespräch betonte er, er gehöre „einfach unter die Leute“ und lasse sich von kritischen Stimmen nicht beirren. Gleichzeitig sagte er, es wäre ihm lieber, wenn es „etwas ruhiger“ um seine Person wäre.
Die Debatte dreht sich seit Tagen um die Frage, ob ein Mann als Marketender in einem traditionsgeprägten Verband auftreten soll. Während Scharf seine Rolle als selbstverständlich beschreibt, halten Kritikerinnen und Kritiker dagegen. Die ehemalige Haller Marketenderin Martina Mair sagte, sie könne nicht verstehen, warum ein Musikant statt mit seinem Instrument nun mit einem Schnapsfass marschiere.
Auch aus den Reihen der Schützen und der Kirche kam bei der Feier kein einheitliches Signal. Haller Bürgermeister Christian Margreiter bezeichnete Scharfs Auftreten als „mutig und zeitgemäß“. Pfarrer Jakob Patsch erklärte, er fühle sich in seiner Männlichkeit nicht infrage gestellt und habe deshalb kein Problem damit.
Der Schützenbezirk Hall hatte die Speckbacher Stadtmusikkapelle samt Marketender zuvor vom Bezirks-Schützenfest am 28. Juni ausgeladen. Laut Bezirkskommando handle es sich dabei um eine Entscheidung auf Bezirksebene. Christian Visinteiner, Hauptmann der Speckbacher Schützenkompanie, stellte klar, die örtlichen Schützen hätten die Musik nicht ausgeladen; er sei lediglich Überbringer der Nachricht gewesen.
Beim Auftritt in Hall marschierten Musikkapelle und Schützen trotz der Diskussionen gemeinsam aus. Inzwischen habe die Kapelle auch zahlreiche Einladungen für andere Auftritte erhalten, hieß es von Obfrau Claudia Posch. Ob es beim Bezirks-Schützenfest dennoch zu einem gemeinsamen Auftritt kommt, ist weiter offen.









