Russland hat einer Analyse zufolge über einen Zeitraum von rund eineinhalb Jahren mit Drohnen Einsätze über einem Dutzend NATO-Staaten durchgeführt und dabei Flughäfen, Militärbasen und auch Nuklearanlagen ins Visier genommen. Die Kampagne sei in weiten Teilen unbehelligt geblieben, heißt es in der Untersuchung einer britischen Denkfabrik, die Vorfälle in 13 Ländern auswertete.
Die Auswertung zeichnet das Bild einer anhaltenden Aufklärungs- und Spionageaktivität über europäischem Territorium. Betroffen waren demnach nicht nur Staaten an der Ostflanke der NATO, sondern auch weiter westlich gelegene Länder. Die Drohnenflüge hätten sich über einen längeren Zeitraum wiederholt und seien in mehreren Fällen in der Nähe besonders sensibler Infrastruktur registriert worden.
Für die Sicherheitsbehörden in Europa ist das ein Hinweis auf eine deutlich breitere Bedrohungslage als einzelne Grenzzwischenfälle. Drohnen lassen sich relativ billig einsetzen, liefern aber wertvolle Informationen über Abläufe, Sicherheitskonzepte und Reaktionszeiten. Gerade an Flughäfen, Militärstandorten und Atomanlagen kann schon eine kurze Ausspähung sicherheitspolitische Folgen haben.
Der Fall reiht sich in eine Serie hybrider Operationen ein, mit denen Russland westliche Staaten seit dem Angriff auf die Ukraine unter Druck setzt. Dazu zählen nicht nur militärische Drohnen und Aufklärung, sondern auch Cyberangriffe, Sabotageverdacht und Desinformationskampagnen. Die NATO-Staaten stehen damit vor der Aufgabe, Luftraumüberwachung und Drohnenabwehr deutlich enger zu verzahnen.
Die Analyse liefert vor allem eines: Das Thema Drohnenabwehr ist in Europa längst nicht mehr auf das Schlachtfeld beschränkt. Wenn Fluggeräte monatelang über kritischer Infrastruktur auftauchen, wird aus einem technischen Problem eine Frage der inneren und äußeren Sicherheit.









